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UG: Drücken Sie es einfach aus. Ich kann einer komplexen Struktur nicht folgen - sehen Sie, ich habe dieses Problem, wahrscheinlich bin ich leicht debil oder so etwas, ich weiß es nicht - aber ich kann konzeptuellem Denken nicht folgen. Sie müssen sich in ganz einfache Worte fassen. Wie genau lautet die Frage? Denn die Antwort ist da; ich muß die Antwort nicht geben. Was ich für gewöhnlich tue, ist, die Frage zu restrukturieren und so zu formulieren, daß sie Ihnen sinnlos erscheint.
F: Wird die Antwort, die in der Frage verborgen liegt, an die Oberfläche gebracht?
UG: Ja, das ist alles. Deshalb möchte ich verstehen, wie Ihre Frage genau lautet. Das ist kein Trick oder so etwas. Ich will Ihnen nicht mit einer Gegenfrage kommen. Aber ich muß die Frage verstehen, dann kann ich sie auf meine Art formulieren und sie erwidern. Und Sie werden für sich selbst herausfinden, auch ohne daß ich es Ihnen sage, daß die Frage überhaupt keinen Sinn hat; aber ich sage nicht: "Ihre Frage ist eine sinnlose Frage."
Wissen Sie, dieser Dialog ist nur dann hilfreich, wenn wir beide an einen Punkt kommen, an dem wir erkennen, daß ein Dialog weder nötig noch möglich ist. Wenn ich von 'Verstehen' oder 'Sehen' spreche, dann bedeutet das für mich etwas anderes. Verstehen ist ein Seinszustand, in dem die Frage nicht mehr existiert; da ist nichts, das sagt: "Jetzt verstehe ich!" - das ist die grundsätzliche Schwierigkeit zwischen uns. Indem Sie verstehen, was ich sage, kommen Sie nirgendwohin.
Da ist noch etwas, was ich betonen möchte: alle Fragen, die Sie mir stellen wollen, müssen Ihre eigenen Fragen sein - nur dann ist es sinnvoll, einen Dialog zu führen. Es muß Ihre Frage sein. Also, haben Sie eine Frage, die Sie Ihr eigen nennen, eine Frage, die nie jemand zuvor gestellt hat?
F: Es gibt so viele Fragen, die die Leute stellen und die uns interessieren, und wir meinen, daß sie unsere Fragen sind.
UG: Was sie nicht sind. Sie werden das herausfinden: es sind überhaupt nicht Ihre Fragen.
Der Fragende muß aufhören, zu sein. Er ist es, der die Antwort schafft. Der Fragesteller existiert deshalb, weil es eine Antwort gibt, sonst gäbe es keinen Fragenden. Ich versuche nicht, mit Worten zu spielen. Sie kennen die Antwort, und Sie wollen von mir eine Bestätigung haben, oder Sie wollen, daß Ihr Problem beleuchtet wird, oder Sie sind neugierig - wenn Sie aus einem der vorgenannten Gründe einen Dialog mit mir führen wollen, dann verschwenden Sie nur Ihre Zeit; Sie werden zu einem Pandit, einem Scholaren, einem gelehrten Mann gehen müssen - die können Licht auf solch eine Frage werfen. An dieser Art von Dialog interessiert mich nur eines: Ihnen zu helfen, Ihre eigene Frage zu formulieren. Versuchen Sie es, und formulieren Sie eine Frage, die Sie Ihr eigen nennen können.
Ich habe überhaupt keine Fragen. Ich komme und sitze hier, und in mir ist es leer, aber nicht in dem Sinne, wie Sie das Wort 'Leere' gebrauchen. Leere und Vollsein sind nicht zwei verschiedene Dinge, man kann keine Demarkationslinie zwischen dem Leer- und dem Vollsein ziehen. Aber in mir ist nichts - nichts - also weiß ich nicht, was ich sagen werde. Ich komme nicht und bin darauf vorbereitet, etwas zu sagen. Was Sie in mir hervorrufen, das ist Ihre Sache - es ist Ihre, nicht meine - in mir ist nichts, was ich mein eigen nennen kann. Das ist Ihr Eigentum, denn Sie haben eine Antwort in mir hervorgerufen - sie ist nicht meine - ich habe mit der Antwort gar nichts zu tun. Das ist nicht die Antwort. Ich gebe Ihnen überhaupt keine Antworten.
Es ist wie bei einer Reflexbewegung: Sie stellen eine Frage, und etwas reagiert. Wie das funktioniert, weiß ich nicht. Es ist nicht das Ergebnis irgendwelchen Denkens. Was immer aus mir herauskommt, ist nicht vom Denken fabriziert - aber irgend etwas kommt heraus. Sie werfen den Ball, der Ball prallt zurück, und das nennen Sie die 'Antwort'. Aber was tatsächlich geschieht, ist, daß ich die Frage restrukturiere und sie Ihnen zurückwerfe.
F: Die Frage bringt die Antwort hervor?
UG: Es gibt keine Antwort auf die Frage, also kann die Frage dort nicht mehr bleiben. In diesem Sinne habe ich keine wie auch immer gearteten Fragen, außer denen, die ich brauche, um in dieser Welt zu funktionieren - ich habe keine anderen Fragen.
F: Ist Ihre Antwort nur eine Reflexion der Frage?
UG: Es ist nicht meine Antwort, da die Frage dort nicht mehr bleiben kann. Die Frage wird sozusagen zu meiner Frage; da es auf sie aber keine Antwort gibt, wartet sie auch nicht darauf; die Frage verbrennt sich selbst, und was bleibt, ist Energie. Sie könnten das nicht neun oder zehn Stunden lang durchhalten, ich kann es. Es zehrt die Energie nicht auf, sondern fügt immer neue hinzu. Dieses Reden selbst ist Energie; das Reden ist Ausdruck dieser Energie.
F: Angenommen, ich befrage Sie zum Beispiel über die Quantenmechanik?
UG: Das weiß ich nicht - das ist meine Antwort - also verschwindet die Frage auf jeden Fall. Was ich an Wissen oder Information über die Quantenmechanik besitze, ist da, und es kommt geradewegs wie ein Pfeil herausgeschossen. Was immer hinein gebracht wurde, kommt heraus. Aber auf Fragen wie "Existiert Gott?", "Ist das Leben nur Zufall?" oder "Wird die Welt von vollkommener Gerechtigkeit beherrscht?" - auf solche Fragen gibt es keine Antworten, also verbrennt die Frage sich selbst.
F: Wer bin ich?
UG: (Lacht) Sie wissen ganz genau, wer Sie sind.
F: Was meinen Sie?
UG: Ist "Wer bin ich?" wirklich Ihre Frage? Überhaupt nicht. Die haben Sie irgendwo aufgelesen. Der Fragende ist das Problem, nicht die Frage. Wenn Sie nicht diese Frage aufgelesen hätten, dann eben eine andere. Selbst in vierzig Jahren werden Sie immer noch fragen, was der Sinn des Leben sei. Ein lebendiger Mensch würde niemals eine solche Frage stellen. Offensichtlich können Sie keinen Sinn im Leben erblicken. Sie leben nicht, Sie sind tot. Wenn ich Ihnen sage, was der Sinn des Lebens ist, wo bleiben Sie dann? Was kann Ihnen das bedeuten?
F: Existiert der Fragende?
UG: Er existiert nicht, was existiert, ist nur die Frage. Alle Fragen sind das gleiche - nämlich mechanische Wiederholungen erinnerter Fragen. Egal, ob Sie fragen: "Wer bin ich?", "Was ist der Sinn des Lebens?" "Existiert Gott?" oder "Gibt es ein Leben nach dem Tode?", so entspringen all diese Frage doch nur Ihrem Gedächtnis. Deshalb frage ich Sie, ob Sie eine eigene Frage haben.
F: Warum sagen Sie, daß die Frage "Wer bin ich?" einer genauen Überprüfung nicht standhalten kann?
UG: Weil Sie die Frage nicht vom Fragesteller trennen können. Die Frage und der Fragende sind dasselbe. Wenn Sie diese Tatsache akzeptieren, ist es ganz einfach; wenn die Frage verschwindet, verschwindet damit auch der Fragende. Aber da der Fragende nicht verschwinden will, bleibt auch die Frage bestehen. Der Fragende will eine Antwort auf die Frage. Da es auf die Frage keine Antwort gibt, gibt es doch immer noch den Fragenden. Das Interesse des Fragenden besteht darin, fortzudauern und nicht darin, die Antwort zu erhalten.
F: Aber da ist doch die Aufmerksamkeit, die Antwort zu erhalten.
UG: Die Aufmerksamkeit ist der Fragende, das Warten ist der Fragende, das Warten auf eine Antwort, die Hoffnung, daß es da eine Antwort auf die Frage gäbe, ist der Fragende. Sie sind nicht voneinander verschieden, sehen Sie? Er hat sich selbst in verschiedene trickreiche Zustände umgestaltet. Zuerst sagt der Fragende, er sei aufmerksam. Er ist sehr aufmerksam, denn er will eine Antwort. Er mag die Fingerzeige nicht, daß er vielleicht nicht... Was wird er mit dieser Antwort anfangen? Er ist aufmerksam, er wartet, er ist hoffnungsfroh - all das ist er - warum? (Pause). Weil es keine Antwort gibt auf diese Frage "Wer bin ich?" - es gibt keine Möglichkeit, sich selbst zu erkennen.
Es ist das Verb, welches das 'Wer' und das 'Ich' verbindet. Es ist, als ob das 'Wer' und das 'Ich' zwei verschiedene Dinge wären, und was diese Dinge verbindet, ist das 'bin', das Verbum, das die Kontinuität verleiht. Wenn das Verb nicht da ist, wenn es dem Verb möglich wäre (lacht) zu verschwinden - dann gäbe es keinen Bedarf an irgend etwas, um das 'Wer' und das 'Ich ' zu verbinden; sie sind dasselbe.
F: Wenn das Verb geht?
UG: Dann geht die Frage auch. Ohne das Verb kann es keine Frage geben. ''Wer ich? ist ein sinnloses Ding. Das "bin" muß da sein - es setzt die trennende Bewegung in Gang. Und damit haben Sie die Frage geschaffen. Und diese Frage impliziert, daß es auf sie eine Antwort gäbe; sonst würden Sie sich diese Frage nicht stellen. Alle Fragen sind nur da, weil Sie schon eine vage Antwort darauf haben: "Es muß da etwas geben, das anders ist, als ich es jetzt bin." Ich weiß nicht, ob ich mich verständlich machen kann.
F: Sir, was wird nach dem Tode geschehen?
UG: Alle Fragen über den Tod sind sinnlos - und ganz besonders für einen jungen Menschen wie Sie es sind. Sie haben Ihr Leben noch nicht einmal gelebt. Warum stellen Sie so eine törichte Frage? Warum interessiert Sie das? Ein Mensch, der lebt, hat keine Zeit für solche Fragen. Nur eine Person, die nicht lebt, fragt: "Was wird nach meinem Tode geschehen?" Sie leben nicht. Zuerst müssen Sie leben und dann, wenn die Zeit kommt... Lassen wir es dabei. Ich bin an dieser Art von Philosophie nicht interessiert.
Gar nichts wird geschehen. Es gibt so etwas wie den Tod überhaupt nicht. Was, glauben Sie, wird sterben? Was? Dieser Körper löst sich in seine Grundbestandteile auf, also geht nichts verloren. Wenn Sie ihn verbrennen, reichert die Asche den Boden an und trägt zur dessen Keimkraft bei. Wenn Sie ihn begraben, leben die Würmer davon. Wenn Sie ihn in den Fluß werfen, wird er zur Nahrung für die Fische. Eine Form des Lebens lebt von der anderen und gibt so dem Leben Kontinuität. Daher ist das Leben unsterblich.
Das wird niemandem helfen, der in der Furcht vor dem Tode gefangen ist. Schließlich ist 'Tod' Angst, die Angst davor, daß etwas an sein Ende gelangt. Das 'Du', als das man sich selbst kennt, das 'Du', als das man sich erlebt, dieses 'Du' will nicht an sein Ende kommen. Aber es weiß, daß dieser Körper tot umfallen wird, wie es bei den anderen auch geschieht - man erlebt den Tod der anderen - also ist das eine schreckenserregende Situation, weil man nicht sicher sein kann, ob dieses 'Du' andauern wird, wenn der Körper geht. Also projiziert es ein Leben danach. Zu wissen, ob es ein Leben nach dem Tode gibt oder nicht, wird zum Allerwichtigsten. Die Angst bringt das hervor, wenn also die Angst verschwunden ist, gibt es auch die Frage nach dem Tod nicht mehr.
Man kann den eigenen Tod nicht erleben. Deshalb erzähle ich all den Leuten, die so sehr an Moksha und Befreiung interessiert sind, daß sie alle, ohne Ausnahme, genau noch vor diesem Zeitpunkt Moksha erreichen werden (Gelächter). Aber seien Sie sich dessen sicher - dann ist es zu spät: der Körper ist in einem hinfälligen Zustand und kann sich nicht mehr erneuern. Dieser Tod kann Sie jetzt ereilen - er ist etwas, das jetzt geschieht.
Es gibt keine Möglichkeit, daß Sie etwas über Ihren Tod wissen können, jetzt, oder am Ende Ihres sogenannten Lebens. Ohne daß das Wissen, die Kontinuität des Wissens, an ihr Ende gelangt, kann der Tod nicht stattfinden. Sie wollen etwas über den Tod wissen, Sie wollen das zu einem Teil Ihres Wissens machen. Aber der Tod ist nichts Geheimnisvolles; das Ende dieses Wissens ist der Tod. Was, glauben Sie, wird nach dem Tode weitergehen? Was ist denn da, während Sie leben? Wo ist denn diese Wesenheit? Da ist gar nichts - keine Seele - da ist nur diese Frage nach dem Tod. Diese Frage muß jetzt sterben, damit die Antwort gefunden werden kann. Ihre Antwort, nicht meine - denn diese Frage ist aus der Annahme und dem Glauben heraus entstanden, daß da etwas sei, das nach dem Tode andauert.
F: Manchmal ist es mir möglich, der besonderen logischen Kette zu folgen, die Sie aufzeigen, und ich kann das, was Sie sagen, sehr stark nachempfinden, aber dann kommt ein gewisser Punkt - wie es dazu kommt, weiß ich nicht - aber sobald dieser Punkt erreicht ist, entsteht plötzlich eine große Unsicherheit.
UG: Sehen Sie, die Existenz eben desjenigen, der fragt, des Fragestellers, steht auf dem Spiel.
F: Ja, genau, und das erzeugt große Panik.
UG: Und hier liegt das Problem: Sie wagen es nicht, das Grundsätzliche in Frage zu stellen, denn das würde etwas zerstören, das für Sie sehr wertvoll ist: die Kontinuität Ihrer selbst, so wie Sie sich kennen und erfahren.
F: Und wenn man es einmal wagen würde, das in Frage zu stellen, was dann?
UG: "Was dann?" ist abwesend. Was ist, beginnt zu handeln.
F: Ich möchte das so gerne wagen. Gibt es eine Möglichkeit, das herauszufordern?
UG: Die Frage selbst besitzt die inhärente Fähigkeit, für sich selbst die Antwort zu finden. Sehen Sie, wenn es keine Antwort gibt, kann auch die Frage nicht bestehen. Sie warten auf eine Antwort, die entweder von außen oder von innen kommen soll. Wenn sich diese beiden Gebiete als völlig unergiebig erweisen, was geschieht dann mit der Frage? Ich weise all die Behauptungen oder Erfahrungen von anderen nicht deshalb zurück, weil ich nicht mit ihnen übereinstimme, sondern weil sie, was mich betrifft, nicht gelten. Sie mögen wahr sein, aber sie sind für mich nicht gültig, also weise ich sie zurück. Von außen kommende Hilfe gibt es nicht mehr für mich. Wenn sie nicht mehr gegeben ist, entsteht aber nicht etwa Hilflosigkeit. Frage und Antwort sind miteinander verbunden; sie lassen sich wirklich nicht trennen.
Die Lösung ist das eigentliche Problem. Wenn sich ein Problem nicht lösen läßt, hört es auf, ein Problem zu sein. Sie sind mehr an der Lösung als an dem Problem interessiert. Aber die Lösung ist nur auf das Morgen und nicht auf das Gegenwärtige anwendbar - wann werden Sie das Problem lösen? - also ist das nicht die Lösung. Warum sind so daran interessiert, Lösungen zu finden? Die haben Ihnen bisher auch nicht geholfen. Sie aber schauen sich nur die Lösungen an; Sie sind an den Lösungen interessiert und nicht an den Problemen. Was ist das Problem? - das ist alles, was ich frage. Sie haben eigentlich kein Problem, aber Sie reden von Lösungen.
Sie sind mit den Antworten, die Ihnen von anderen gegeben werden, nicht zufrieden. Sie kommen zu mir - Sie glauben, ich sei ein Mann, der zur Erkenntnis gelangt ist. Sie haben schon viele Antworten auf Ihre Fragen erhalten, aber immer noch stellen Sie dieselben Fragen. Sie wollen die Bestätigung dessen, was Sie wissen, aber dieser Mann sagt etwas, das nicht in Ihren Rahmen paßt, also stimmen Sie nicht mit mir überein. Sie müssen die Antwort auf diese Frage finden.
Die Suche endet mit der Erkenntnis, daß es so etwas wie Erleuchtung nicht gibt. Indem Sie suchen, wollen Sie sich vom Selbst befreien - aber was immer Sie auch tun, es ist das Selbst, das sich vom Selbst befreien will. Was kann ich tun, damit Sie diese einfache Sache verstehen? Es gibt kein 'Wie'. Wenn ich Ihnen das sage, fügt es der Suche wieder Impulse hinzu. Das ist die Frage aller Fragen: 'Wie, wie, wie?'
Das 'Wie' wird bleiben, solange Sie glauben, daß die Antworten, die Ihnen von mir oder von anderen gegeben werden, die richtigen Antworten seien. "Ich habe die Antwort gefunden" - die anderen haben Antworten auf ihre Fragen erhalten. Solange Sie von den Antworten dieser Leute, von denen Sie meinen, sie seien die richtigen, um Ihnen Ihre Fragen zu beantworten, abhängen, werden die Fragen permanent bestehen bleiben. Das sind keine Antworten. Wenn sie es wären, dann gäbe es keine Fragen. Es muß Ihre Antwort sein.
Die Antwort muß ohne jede Methode gefunden werden. Jede Methode entfernt Sie von der Frage, verwässert sie. Die Frage intensiviert sich auf ihre Weise immer mehr. Sie wollen nichts haben, außer der Antwort auf diese Frage, nichts sonst. Nichts interessiert Sie mehr, außer der Antwort auf diese Frage. Tagaus, tagein, für den Rest Ihres Lebens, ist das Ihre einzige Frage: "Wie?"
Dieses 'Wie' bezieht sich auf die Antworten, die von anderen gegeben wurden, also muß man all diese Antworten zurückweisen. Die Frage muß sich selbst verzehren, und das kann sie nicht tun, solange man darauf wartet, ob von außerhalb oder innerhalb eine Antwort käme. Wenn die Frage sich selbst verzehrt hat, beginnt sich das, was vorhanden ist, selbst auszudrücken. Das ist Ihre Antwort, und nicht die von irgend jemand anderem. Sie müssen die Antwort nicht einmal finden, denn sie ist schon vorhanden, und sie wird sich irgendwie zum Ausdruck bringen. Sie müssen kein Gelehrter sein, Sie müssen keine Bücher lesen, Sie brauchen überhaupt nichts zu tun; was da ist, bringt sich selbst zum Ausdruck.
Also, wollen Sie die Antwort auf diese Frage wirklich unbedingt haben? Sie wissen ja, selbst diejenigen, die ihr Leben damit verbracht haben, auf dem Kopf zu stehen oder an Bäumen zu hängen, haben gar nichts erreicht - Ameisenhaufen wuchsen um sie herum in die Höhe, doch erreicht haben sie nichts. So einfach ist es nicht. Als es mir geschehen ist, habe ich erkannt, daß meine ganze Suche in die falsche Richtung gegangen war und daß es nicht etwas Religiöses und nichts Psychologisches ist, sondern ein rein physiologisches Funktionieren der Sinne bei optimaler Aufnahmefähigkeit. Das war die Antwort auf meine Frage.
Alle Fragen sind Variationen der einen Frage; es sind keine verschiedenen Fragen. Wie ernsthaft sind Sie? Wie sehr wünschen Sie sich die Antwort auf Ihre Frage? Fragen entstehen aus den Antworten heraus, die Sie schon kennen. Sie wollen wissen, was das für ein Zustand ist, in dem ich mich befinde, um es zu einem Teil des Wissen zu machen, Ihres Wissen, und damit der Tradition - aber das Wissen muß an sein Ende kommen. Wie können Sie diese einfache Sache verstehen? Ihr Wissenwollen fügt lediglich Ihrem Wissen Impulse hinzu. Es ist nicht möglich, zu wissen, was 'das' ist, denn das Wissen ist immer noch da, und es nimmt an Dynamik zu. Alles, woran Sie interessiert sind, ist die Kontinuität des Wissens.
Wenn Bücher den Menschen irgend etwas lehren könnten, dann wäre die Welt ein Paradies. Man braucht Bücher für technische Dinge, ja - wie repariert man ein Tonbandgerät? - aber Bücher über Themen wie diese haben keinerlei Wert. Ich weiß nicht, ob diese Unterhaltung oder dieser Dialog irgendeinen Sinn haben. Aber es muß Ihnen ganz klar sein, daß hierdurch nichts bewegt wird: Sie werden sich nicht von der Stelle wegbewegen, an der Sie sind. Sie haben nicht einmal einen Schritt getan. Es ist auch nicht nötig, daß Sie einen Schritt tun.
F: Ich bin überzeugt davon, daß es nicht die Worte sind, die bei unserem Treffen wichtig sind, sondern daß da etwas ist, was darüber hinausgeht.
UG: Das weiß ich nicht, und Sie können sich dessen auch nicht sicher sein: das kann Ihre eigene Projektion sein. Wenn es irgend etwas geben sollte, dann wird es auf seine ihm eigene Art wirksam werden. Es ist dasselbe Bewußtsein, das auch in mir, in Ihnen, in der Gartenschnecke und dem Regenwurm draußen wirkt. In mir hat es keine Grenzen, aber in Ihnen - Sie sind in diesen Begrenzungen eingepfercht. Wahrscheinlich treibt Sie das unbegrenzte Bewußtsein an, ich weiß es nicht. Mich nicht, ich habe damit nichts zu tun. Es ist wie das Wasser, das seinen Stand immer ausgleicht, das ist alles - das ist seine Natur. Was in Ihnen vor sich geht, ist dies: Das Leben versucht das Eingepferchte, die tote Struktur aus Denken und Erfahrung, die nicht von seiner Art sind, zu zerstören. Es versucht herauszukommen, die Schranken zu sprengen. Sie wollen das nicht. Sobald Sie sehen, daß da ein paar Sprünge sind, bringen Sie Kitt, bessern sie aus und blockieren alles wieder. Es muß kein sogenannter spiritueller oder erleuchteter Mensch sein, der Sie antreibt; alles, auch dieses Blatt hier, könnte Sie genauso belehren, wenn Sie es nur tun ließen, was es kann. Sie müssen es zulassen. Ich muß es so sagen. Dieses 'Zulassen' scheint eine Art Willensentscheidung Ihrerseits miteinzubeziehen, aber so meine ich das nicht.
F: Was ist das Leben?
UG: Sie werden niemals wissen, was das Leben ist. Niemand kann irgend etwas über das Leben sagen. Sie können Definitionen abgeben, aber die sind ohne Bedeutung. Sie können über das Leben theoretisieren, aber das ist ohne jeden Wert für Sie, denn es kann Ihnen nicht helfen, irgend etwas zu verstehen. Also wirklich, fragen Sie nicht so etwas wie "Was ist das Leben?" "Was ist das Leben?" - auf diese Frage gibt es keine Antwort, daher kann die Frage nicht länger aufrechterhalten werden. Sie wissen das wirklich nicht, also verschwindet die Frage. Nur wollen Sie das nicht zulassen, weil Sie glauben, es müßte eine Antwort geben. Wenn Sie sie nicht kennen, dann meinen Sie, es müßte jemand anderen auf dieser Welt geben, der auf diese Frage eine Antwort weiß. "Was ist das Leben?" - niemand kann darauf eine Antwort geben - wir können das wirklich nicht wissen. Also kann die Frage nicht bestehen, sie verzehrt sich selbst. Die Frage ist vom Denken geboren, wenn sie sich also selbst verzehrt, entsteht Energie. Da ist ein Verbrennungsprozeß: Der Gedanke verbrennt sich selbst und gibt physische Energie ab. Und ebenso ist es, wenn die Frage verbrennt, dann ist auch um den Fragenden geschehen. Die Frage und der Fragende sind nicht zwei verschiedene Dinge. Wenn die Frage sich verzehrt, bleibt Energie. Über Energie läßt sich überhaupt nichts sagen - sie ist schon manifest und drückt sich auf grenzenlose Weise aus; sie hat keine Begrenzungen. Es ist nicht Ihre und nicht meine Energie; sie gehört jedem. Sie sind ein Teil von ihr. Sie sind ein Ausdruck von ihr. So wie die Blume ein Ausdruck des Lebens ist, so sind es auch Sie. Was hinter all dem steht, ist das Leben. Was es ist, werden Sie niemals wissen.
Sie sind nicht vom Tier verschieden; Sie wollen diese Tatsache nur nicht akzeptieren. Der einzige Unterschied besteht darin, daß Sie denken. Denken tun auch die Tiere, allerdings ist es im Falle des Menschen sehr komplex geworden - das ist der Unterschied. Erzählen Sie mir nicht, die Tiere würden nicht denken; sie tun es. Beim Menschen wurde das zu einem sehr komplexen Gefüge, und das Problem ist, wie Sie sich von ihm befreien und es nur als Instrument nutzen können, um in dieser Welt zu leben - es hat keinen anderen Nutzen - es hat nur einen bedingten Wert, um in der Alltagswelt funktionieren zu können: "Wo ist der Bahnhof?" "Wo ist der Markt?" "Wo kann ich Tomaten kaufen?" - das ist alles. Keine philosophischen Meinungen - die haben überhaupt keinen Sinn. Wenn man mehr will, als nur die Grundbedürfnisse zu stillen - Nahrung, Kleidung, Wohnung - beginnt der Selbstbetrug, und der hört niemals auf. Also hat dieses ganze Denken überhaupt keinen Sinn, es verschleißt einen nur.
Denken ist unnötig, außer, um mit jemandem zu kommunizieren. Warum müssen Sie ständig mit sich selbst reden? Wozu? "Ich bin glücklich." "Ich bin unglücklich." "Ich bin elend." "Das ist ein Mikrophon." "Das ist ein Mann." Sehen Sie, warum tun Sie das? Jeder redet mit sich selbst, nur, wenn er anfängt das laut zu tun, sperrt man ihn in eine Anstalt. (Gelächter)
F: Ich glaube, Sie weisen darauf hin - und ich stimme mit Ihnen überein - daß dies ein sehr lästige Sache ist, die uns schwächt, also suchen wir natürlich nach Methoden, um das zu beenden.
UG: Es verschleißt Sie, und alle Methoden, die wir gebrauchen, tragen unglücklicherweise noch dazu bei. Alle Techniken und Systeme fördern das noch. Es gibt nichts, was Sie tun können, um das Denken zu beenden.
F: Nun, wie haben Sie es denn getan?
UG: "Wie denkt man nicht?" ist Ihre Frage. Wissen Sie, was diese Frage bedeutet? Sie wollen einen Weg, eine Methode, ein System, eine Technik - und Sie denken immer noch weiter.
F. Ich will nicht denken. Wenn diese Frage falsch ist, vielleicht wissen Sie mir eine bessere?
UG: Ich bin mir nicht sicher, daß Sie nicht denken wollen. Sehen Sie, Sie müssen an einen Punkt kommen, wo Sie sagen: "Ich habe genug davon!" Niemand kann Sie dahin drängen.
F: Das heißt also, daß man es entweder kann oder eben nicht.
UG: Sehen Sie, selbst 'dann' werden Sie herausfinden, daß Sie es nicht können. Gedanken sind da, wenn sie gebraucht werden. Wenn sie nicht gebraucht werden, weiß man nicht, ob sie da sind oder nicht. Für mich ist es ohne Belang, ob sie vorhanden sind oder nicht. Aber wenn ein Bedarf nach ihnen besteht, wenn sie gebraucht werden, sind sie da, um einen zu führen und zu helfen, mit den anderen zu kommunizieren. Was aber entscheidet, wann dieser Bedarf besteht - das ist nicht hier, es ist da draußen. Wenn es die Situation erforderlich werden läßt, daß die Gedanken gebraucht werden, sind sie da. Sie fangen nicht von alleine an zu denken.
Wir sprechen vom Denken. Ist es Ihnen möglich, Gedanken zu betrachten? Nein, denn da ist ein anderer Gedanke, der schaut - das ist der tückische Teil, sehen Sie - er teilt sich selbst in zwei Teile - sonst könnten Sie einen Gedanken nicht ansehen. Wenn ein Gedanke einen anderen ansieht, dann sind da nicht zwei Gedanken, sondern einer. Sie haben zwar den Eindruck, da seien zwei Gedanken, aber tatsächlich ist da nur eine Bewegung. Was schafft also diese Teilung? Diese Teilung ist vom Gedanken geschaffen - das ist der Beginn Ihres Denkens. Das ist eine äußerst trickreiche Sache. Es ist eine Bewegung, und was das ansieht, das Sie 'Gedanken' nennen, sind all die Definitionen, die Sie vom Denken haben.
"Was sind Gedanken?" - stellen Sie sich diese Frage einmal selbst. Wie könnte man das sehen? Die Frage ist der Gedanke, sehen Sie. "Was ist Denken?" - darauf gibt es keine Antwort. Die Antwort, die Sie geben, ist nur eine Definition. Sie können sagen: "Denken ist das...." (Ich habe schon so viele Dinge gesagt: "Denken ist Zeit; Denken ist Raum, Denken ist Materie.") "Denken ist dies; Denken ist das" - Sie wissen, das ist alles, was man sagen kann.
Wenn Sie aber das Denken direkt ansehen wollen, um für sich selbst herauszufinden, was es ist, so ist Ihnen das nicht möglich. Sie haben keine Möglichkeit, für sich selbst herauszufinden, was Denken ist, weil Sie es nicht erfahren können; Sie können das Denken nur durch das Wissen, das Sie darüber besitzen, erfahren. Was geschieht, wenn Sie die Antworten, die Ihnen von anderen gegeben werden, nicht akzeptieren? Irgend etwas muß mit dieser Frage "Was ist Denken?" geschehen. Die Frage verzehrt sich selbst, weil es auf sie keine Antwort gibt, außer der, die wir kennen. Diese Frage verbrennt sich selbst, und was man an Stelle der Frage hat, ist die Antwort - Energie. Diese Frage, der Gedanke nämlich, ist Materie. Wenn der Gedanke sich selbst verbrennt, bleibt Energie, und sie ist die Manifestation des Lebens. Mit anderen Worten: Leben und Energie sind Synonyme.
Woher kommen die Gedanken? Kommen sie von außen oder von innen? Wo ist der Sitz des menschlichen Bewußtseins? Zum Zwecke der Kommunikation oder auch nur, um Ihnen ein Gefühl dafür zu vermitteln, sage ich, daß es da eine 'Gedankensphäre' gibt. In dieser 'Gedankensphäre' leben wir alle, und wahrscheinlich hat jeder von uns eine 'Antenne' oder so etwas, die von der Kultur geschaffen wird, in die wir hineingeboren werden. Sie empfängt die 'eigenen' Gedanken des Einzelnen.
Sie haben überhaupt keine Möglichkeit, für sich selbst herauszufinden, wo der Sitz des menschlichen Bewußtseins ist, denn es ist überall, und Sie sind nicht getrennt von diesem Bewußtsein. Selbst mit diesen Experimenten, die die Gehirnforscher und die Psychologen anstellen (wobei sie viele Millionen verschwenden), um den Sitz des menschlichen Bewußtseins zu finden, werden sie doch nie imstande sein, irgend etwas zu finden. Ich stelle damit keine dogmatische Behauptung auf.
F: Es gibt diese Fähigkeit, mittels der 'Antenne' Gedanken einzufangen. Können wir, auch ohne zu wissen, was diese 'Antenne' ist, diese Fähigkeit vergrößern?
UG: Wozu wollen Sie sie vergrößern? Ich akzeptiere meine Begrenzungen als eine Tatsache, wissen Sie. Ich bin, genetisch gesprochen (um Ihren wissenschaftlichen Terminus zu benutzen), in meiner Kapazität begrenzt. Ich denke, daß die Kapazität des Einzelnen sehr begrenzt ist - ich weiß es nicht - sie ist genetisch festgelegt.
F: Aber selbst von dieser genetischen Potentialität gebrauchen wir doch nur einen Bruchteil.
UG: Nur einen Bruchteil. Aus irgendwelchen Gründen hat die Kultur die Möglichkeit begrenzt, daß sich das Potential zu Ganzheit und Vollkommenheit hin entwickelt. Irgendwann ist das Denken wohl einmal notwendig gewesen, inzwischen ist es aber zum Feind des Menschen geworden. Es wurde zu seinem Feind, weil das Potential des evolutionären Prozesses (wenn es so etwas wie den evolutionären Prozeß überhaupt gibt, ich weiß es nicht; ich kann keine definitive Feststellung machen, aber so etwas scheint es zu geben) von der Kultur vereitelt wurde, denn sie hat einen 'perfekten Menschen' geschaffen, einen 'religiösen Menschen', einen 'wahren Gentleman' und so weiter, und das ist das Gegenteil von dem, was von Natur aus in uns ist. Diese naturgegebene Eigenschaft (oder wie immer Sie das nennen wollen) nenne ich die 'Persönlichkeit'.
Ich benutze das Wort 'Persönlichkeit' in einem ganz anderen Sinne, als die Psychologen das tun. Jedes menschliche Wesen hat eine einzigartige Persönlichkeit, die versucht sich auszudrücken. Die Kultur hat den sogenannten 'normalen Menschen' erschaffen. Sehen Sie, Charakterbildung liegt im Interesse der Kontinuität einer Gesellschaft. Dieser charakterbildende Mechanismus hat das, was in uns ist, unterdrückt und frustriert. Ich gebrauche das Wort 'Persönlichkeit' in diesem Sinne. Unter den vier Milliarden Menschen auf der Welt ist keiner so wie Sie. Physiologisch gesprochen ist der Einzelmensch ein außergewöhnliches Werk der Schöpfung durch den evolutionären Prozeß; daher sage ich, daß jeder Einzelne einzigartig ist.
Was immer vorhanden ist, es versucht sich auszudrücken und zu einem menschlichen Wesen zu erblühen. Das menschliche Wesen hat alle animalischen Instinkte verloren, und es hat die menschlichen Instinkte nicht entwickelt. Wovon die Menschen reden - psychische Kräfte, Hellsehen, Hellhören - das sind die menschlichen Instinkte. Und sie sind notwendig, denn der menschliche Organismus ist an zweierlei interessiert: Erstens, sein Überleben um jeden Preis. Warum soll er überleben? Ich weiß es nicht. Das ist eine törichte Frage. Das ist das Wichtigste: Er hat einen eigenen Überlebensmechanismus, der von dem Überlebensmechanismus der Denkbewegung ganz verschieden ist. Das zweite ist: sich zu vermehren. Er muß sich fortpflanzen. Dies sind die beiden fundamentalen Eigenschaften des menschlichen Organismus, des lebendigen Organismus.
Die Kultur hat es der Persönlichkeit unmöglich gemacht, sich auf ihre Art auszudrücken zu können, denn die Kultur hat andere Vorstellungen, die sie durchsetzen will. Sie hat einen neurotischen Zustand geschaffen. Sie hat trennende Denkvorgänge geschaffen. Diese entzweiende Bewegung muß zuerst aufhören, wenn das schon Bestehende sich ausdrücken und zum Erblühen kommen soll. Diese Möglichkeit ist Teil des menschlichen Mechanismus; sie ist dort eingebaut. Also muß diese entzweiende Bewegung, dieser neurotische Zustand des Menschen, aufhören. Aber gibt es etwas, das wir deswegen tun können?
F: Wie fängt man es an?
UG: Das Problem ist, daß alles, was man tut - jede Bewegung in jede Richtung auf jedem Gebiet - dem Denkgefüge Dauer verleiht. Die Trennung zwischen Geist und Körper muß aufhören. Tatsächlich gibt es da natürlich keine Trennung. Ich habe nichts gegen das Wort 'Geist' einzuwenden, aber der sitzt an keiner speziellen Stelle oder in einem bestimmten Gebiet; jede Zelle Ihres Körpers hat ihren eigenen Verstand, und er funktioniert ganz anders als der der anderen Zellen.
Also muß sich die ganze Körperchemie verändern: sie muß eine Art Alchemie durchmachen, wenn ich es so ausdrücken darf. Glücklicherweise gibt es im menschlichen Organismus bestimmte Gebiete, die außerhalb der Kontrolle des Denkens liegen. (Sehen Sie, das habe ich für mich selbst entdeckt. Sie können es akzeptieren, zurückweisen oder tun, was Sie wollen). Das sind die Drüsen, die Sie die 'endokrinen Drüsen' nennen.
F: Glücklicherweise?
UG: Glücklicherweise, denn sonst wäre der Mensch am Ende. Der Tag, an dem sie kontrolliert und manipuliert werden können, wird das Ende des Menschen bedeuten: er wird alles verlieren, er wird nur zu einem Häkchen in der sozialen Struktur werden (das ist er schon). Das bißchen Freiheit, das er noch hat, die wenigen Chancen, die seine Persönlichkeit noch hat, um sich auszudrücken, werden verloren sein.
Diese Drüsen unterliegen nicht der Kontrolle durch das Denken. Die Hindus nennen sie 'Chakras'. Diese Drüsen liegen genau an den Stellen, von denen sie annahmen, daß es die Chakras seien. Sie liegen nicht im psychischen Körper - so etwas wie den psychischen oder kausalen Körper gibt es nicht - sie haben das auf spekulative Art herausgefunden. Sie müssen das, was wir die endokrinen Drüsen nennen, erfahren haben. Enorme Mengen an Forschungsgeldern werden darauf verwendet, herauszufinden, warum es sie gibt und was ihre Funktion ist - die Hypophyse, die Zirbeldrüse, die Thymusdrüse und so weiter. Ich will das Wort 'Chakras' nicht benutzen, ich nenne sie 'endokrine Drüsen'. Wenn sie nicht aktiviert sind, gibt es keine Chance, daß ein menschliches Wesen zu sich selbst erblühen könnte. Ich kann nicht sagen, ob es so etwas wie den evolutionären Prozeß gibt, aber es scheint ihn zu geben. Welches seine Natur und seine Zwecke sind, weiß ich nicht; aber es scheint so, als würde er versuchen, etwas zu schaffen. Der Mensch bleibt unvollständig, wenn sich nicht die Gesamtheit des menschlichen Organismus zu etwas wie einer Blüte entfaltet. Ich benütze das Wort 'Blüte' nicht gern, weil es einen mystischen Beiklang hat.
F: Verwirklichung?
UG: Verwirklichung - sie wird von der Kultur verhindert. Das ganze Ding muß aus Ihrem Organismus verschwinden. Es ist nicht etwas, das da draußen ist - ich schlage nicht vor, Bücher zu verbrennen oder Tempel niederzureißen.
F: Besitzen wir die innere Kraft, um aus dieser Kultur auszubrechen?
UG: Die Gesellschaft ist hier im Innern und nicht da draußen. Diese Kultur ist Teil des menschlichen Bewußtseins, demnach ist auch alles, was die Menschen vor Ihnen gefühlt und erlebt haben, Teil dieses Bewußtseins.
Dabei gibt es eine Frage, für die wir nur eine ungenügende Antwort haben: "Wie wird das von einer Generation auf die nächste übertragen?" Das ist wirklich ein Geheimnis. Alle Erfahrungen - und nicht nur die, die Sie während Ihrer Lebenszeit von vielleicht dreißig, vierzig oder fünfzig Jahren gemacht haben, sondern auch das tierische und das pflanzliche Bewußtsein, ebenso das der Vögel - all das ist Teil dieses Bewußtseins. (Es ist nicht so, daß es da eine Wesenheit gäbe, die reinkarnieren würde; die gibt es nicht: die ganze Geschichte mit der Reinkarnation ist absurd, wenn Sie mich fragen.) Daher kommt es, daß Sie in Ihren Träumen wie ein Vogel fliegen können. Sehen Sie, die sexuellen Phantasien der Menschen, die animalischen Stellungen, das Kama Sutra von Vatsyayana - all dies ist Teil des Bewußtseins, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Wie es vermittelt wird, weiß ich nicht, ich kann es nicht sagen, ich bin nicht kompetent. Aber es scheint doch irgendwelche Transportmittel zu geben...
F: ...die mehr sind als nur genetisch?
UG: ...viel mehr als genetisch; das Genetische ist nur ein Teil davon. Das Bewußtsein stellt einen mächtigen Faktor im Erleben dar, aber es ist niemandem möglich, den Umfang des Ganzen herauszufinden - denn der ist unermeßlich.
F: Wie können wir die Arbeit der Drüsen unterstützen?
UG: In diesem Fall habe ich etwas gegen die medizinische Technologie einzuwenden. Sehen Sie, der Wunsch, das menschliche Wesen verstehen zu wollen, bedeutet nichts anderes, als den Menschen kontrollieren zu wollen - insofern sympathisiere ich nicht damit. Sobald sie die endokrinen Drüsen kontrollieren können, werden sie die Persönlichkeit des Menschen verändern, eine Gehirnwäsche wird dann nicht mehr nötig sein. Die Gehirnwäsche ist ein komplizierter Vorgang. Wenn man es der Natur gestatten würde, ihren eigenen Weg zu nehmen, dann wäre jeder zu einer einzigartigen Blume erblüht. Warum sollte es denn nur Rosen auf der Welt geben? Wozu? Eine Grasblüte oder die Blüte eines Löwenzahns sind genauso so schön und im Gesamtsystem genauso wichtig. Warum sollte es nur Jasminblüten, Rosen und noch ein paar andere geben? Es besteht also die Möglichkeit, daß eine plötzliche - und nicht eine progressive - Veränderung stattfindet. Sie muß auf eine sehr plötzliche und explosive Art und Weise passieren, um das Ganze aufzubrechen.
F: Im einzelnen Menschen?
UG: Im Einzelnen. Das alles hat überhaupt keinen sozialen Gehalt, auch keinen religiösen oder mystischen Gehalt, nichts davon. Vielleicht beeinflußt es das gesamte menschliche Bewußtsein, aber das ist nur eine Spekulation. Was immer da geschieht - es gibt nur eine Intelligenz und nur ein Bewußtsein! - es wird etwas bewirken, aber der Effekt wird nur mikroskopisch klein sein.
F: Wie läßt sich das denn fördern - diese Ergebnisse zu erhalten, ohne die Menschen zu kontrollieren?
UG: Ihre eigentliche Motivation besteht darin, das Ganze zu ändern. Das 'Wie', an dem Sie interessiert sind, impliziert Veränderung. Warum wollen Sie verstehen? Ich sagte nicht, daß Sie nicht verstehen sollten, aber Ihre Motivation hinter dem Verstehenwollen besteht darin, eine Veränderung hervorrufen zu wollen. Das ist Teil unserer Kultur. Die Kultur fordert das.
Sehen Sie, da herrscht ein ständiger Kampf. Es ist ein Kampf zwischen dem, das versucht, sich auf seine eigene Weise auszudrücken und der Kultur, die das verhindert. Gibt es irgendeine Möglichkeit, sich von der Strangulierung durch diese Kultur zu befreien? Können Sie das mittels irgendeines Willensentschlußes tun? Damit können Sie überhaupt nichts tun; es muß Ihnen geschehen. Darum sage ich, daß es akausal ist.
Das scheint im Lauf der Geschichte mit einigen Menschen geschehen zu sein. Ein jeder von ihnen hat dieser Einzigartigkeit auf seine Art, die durch seinen Lebenslauf bedingt war, Ausdruck verliehen. Es ist Ausdruck dieses Lebenshintergrundes. Aber wenn etwas in dieser Art heute irgendeinem Menschen geschehen sollte... Es wird geschehen, denn die Natur bringt von Zeit zu Zeit auf ihre Art eine Blüte als Endprodukt der menschlichen Entwicklung hervor. Dieses Endprodukt kann vom evolutionären Prozeß nicht als Modell benutzt werden. Sie bringt nur eine Blüte hervor, und das ist alles. Man kann sie nicht konservieren, wenn man ihr Parfum aufbewahrt, wird es stinken. Der evolutionäre Prozeß (oder die Bewegung, welches Wort Ihnen besser gefällt) ist nicht daran interessiert, das, was er zu Perfektion gebracht hat, als Modell für ein künftiges Geschöpf zu gebrauchen; er wird eine neue Kreatur hervorbringen.
Die Frage, die Sie gestellt haben, ist sehr schwer zu beantworten, denn es gibt eigentlich keine Antwort darauf. Das 'Wie' muß gehen. Das 'Wie' muß gehen, weil es impliziert, daß es da einen Weg gäbe, eine Methode, eine Technik, irgend etwas, das man tun könnte, um diese totale Umwandlung der Körperchemie, diese Alchemie, hervorzurufen. Aber jegliche Methode dieser Art ist zum Scheitern verurteilt. Wenn Sie sich in einer Situation befinden, in der es keinerlei Möglichkeit gibt, eine Antwort auf diese Frage zu finden, dann ist das der Moment, in dem etwas geschehen könnte; das ist der Moment, in dem der Auslösemechanismus in Kraft treten kann, um das Ganze ins Rollen zu bringen. Wenn nur die Frage 'Wie?' - befreit vom Wunsch nach Verständnis oder Veränderung, bleibt... Sehen Sie, sie ist ein Gedanke, und ein Gedanke ist schließlich eine Vibration. Er hat eine Atomstruktur, in diesem Gedanken ist ein Atom eingebettet. Und wenn dieser Gedanke sich nicht bewegen kann, wenn er sich in gar keiner Richtung bewegen kann, dann wird etwas mit ihm geschehen müssen.
Da ist nur der eine Gedanke, 'Wie?' Die einzige Frage, die diesen Organismus interessiert, ist "Wie läßt sich diese Knechtschaft abwerfen, der ganze strangulierende Einfluß der Kultur?" Das ist die einzige Frage, die dieser Organismus hat - nicht als Wort, nicht als Gedanke - der ganze menschliche Organismus ist diese eine Frage. Ich weiß nicht, ob ich das klarmachen kann. Das ist die eine Frage, die in jeder Zelle, selbst im Mark der Knochen, pocht und pulsiert, und die versucht, sich von dieser Umklammerung zu befreien. Das ist die eine Frage, der einzige Gedanke. Das ist der Retter. Diese Frage findet, daß sie keine Antwort finden kann, daß es ihr unmöglich ist, irgend etwas zu tun, also explodiert sie. Wenn sie keine Möglichkeit mehr sieht, sich zu bewegen, wenn da kein Raum mehr ist, dann findet die Explosion statt. Sie ist wie eine Nuklearexplosion. Sie zerbricht die Kontinuität des Denkens.
Tatsächlich gibt es gar keine Kontinuität des Denkens, denn die Gedanken sind unzusammenhängende, zusammenhangslose Dinge - aber irgend etwas verknüpft sie. Was Sie das 'Ich' oder das 'Selbst' oder das 'Zentrum' nennen, ist illusorisch. Ich kann sagen, daß es illusorisch ist, denn es ist das Wissen, das Sie über das Selbst haben, das das Selbst schafft, wenn Sie das Selbst ansehen. Also bedeutet mir das ganze Gerede über 'Selbsterkenntnis' überhaupt nichts. Es liegt innerhalb des Wissensrahmens. Es betrügt sich selbst.
Diese Kontinuität geht somit zu Ende, und die Gedanken fallen in ihren natürlichen Rhythmus. Sie können sich nicht mehr verbinden, und sobald diese Verbindung aufgelöst ist, ist es vorbei. Dann explodieren sie nicht nur einmal, sondern jedesmal; wenn ein Gedanke auftaucht, explodiert er. Es ist wie eine Nuklearexplosion, und es zertrümmert den ganzen Körper. Das ist nicht leicht - es ist das Ende des Menschen - es ist von solcher Brisanz, daß es jede Zelle und jeden Nerv des Körpers sprengen wird. Ich ging in diesem Moment durch eine schreckliche körperliche Tortur. Nicht, daß Sie die 'Explosion' erleben würden, dem ist nicht so, aber die Nachwirkung, der 'Fall-Out', ist das, was die ganze Körperchemie verändert. Dann kann sich das Denken nicht mehr verketten, und das ständige Verlangen danach, die Dinge zu erfahren, hört auf.
F: Gibt es da jemanden oder etwas, der bei diesem Vorgang zugegen ist?
UG: Dieser Jemand, diese künstliche, illusorische Identität, ist am Ende. Dann, wie auch jetzt, ist da niemand, der diese Gedanken denkt und niemand, der spricht; da ist ganz schlicht und einfach ein Computer, der automatisch funktioniert. Der Computer interessiert sich weder für Ihre noch für meine Frage. Der Computer ist nicht daran interessiert herauszufinden, wie dieser Mechanismus funktioniert. Damit besitzen all die Fragen, die wir auf Grund unseres logischen und rationalen Denkens haben, keine Gültigkeit mehr. Sie haben ihre Wichtigkeit eingebüßt.
Der Mechanismus funktioniert also automatisch, aber mit der dort vorhandenen außergewöhnlichen Intelligenz. Er weiß, was gut für ihn ist. Nennen Sie es nicht 'göttlich'; da ist eine riesige, außergewöhnliche Intelligenz, die den Mechanismus des menschlichen Körpers steuert; sein Interesse liegt im Überleben. Alles, was er tut, ist, sein Überleben zu schützen, das ist alles, woran er interessiert ist.
Dann werden die Sinne zu ganz wichtigen Faktoren; sie fangen ohne das Dazwischentreten des Denkens (außer wenn dafür ein Bedarf besteht) an, mit optimaler Kapazität zu funktionieren. Es kommt auf die Erfordernisse der Situation an. Hier muß ich eines ganz klarstellen: Das Denken fängt nicht von alleine an; es kommt immer erst dann zum Einsatz, wenn es erforderlich ist. Es kommt auf die Erfordernisse der Situation an: ist eine Situation gegeben, in der Denken erforderlich ist, dann ist es da, und sonst nicht. Es ist wie der Stift, den Sie da benutzen. Sie können damit ein wunderschönes Stück Poesie schreiben oder einen Scheck fälschen oder sonst etwas. Er ist da, wenn er gebraucht wird. Die Gedanken dienen nur dem Zwecke der Kommunikation, ansonsten haben sie überhaupt keinen Wert. Sie werden dann nur noch durch Ihre Sinne geleitet und nicht von den Gedanken. Also ist all das Gerede darüber, die Sinne kontrollieren zu wollen, völliger Quatsch. Die Sinne besitzen einen eingebauten Kontrollmechanismus; da ist nichts, was man erlangen könnte. All das Gerede von Yama, Niyama (Kontrolle der Sinne) und all diesen Dingen ist Blödsinn: die Sinne haben ihren eigenen selbstkontrollierten Mechanismus. Sie können es versuchen z.B. den Geschmackssinn zu kontrollieren, aber hier (in diesem Zustand) brauchen Sie sich nicht selbst zu kontrollieren oder zu disziplinieren. Dieser physische Organismus, oder dieser menschliche Organismus, oder wie immer Sie es nennen wollen, wird allein von den Aktivitäten der Sinne gesteuert und keineswegs vom Denken oder vom Verstand.
F: Als gewöhnlicher Mensch...
UG: Ich sage Ihnen, Sie sind kein gewöhnlicher Mensch, Sie sind ein außergewöhnlicher Mensch (Lachen). Es gibt keinen anderen, der ist wie Sie. Sie sind 'derjenige sondergleichen' von dem die Upanishaden sprechen.
Es kommt nicht darauf an, was man tut oder nicht tut, wenn einem dies geschieht. Daher benutze ich das Wort 'akausal' - 'das' hat keine Ursache. Die Struktur, die daran interessiert war, eine kausale Verbindung zu errichten, besteht nicht mehr. Es bleibt nur noch das Überleben übrig. Und das Überleben ist begrenzt: es hat eine eigene Dynamik, und wenn die aufgebraucht ist, ist es vorbei. 'Dieses' kann weder physiologisch noch sonst irgendwie noch einmal etwas dieser Art erzeugen - daher sage ich, daß es ein Endprodukt der menschlichen Evolution sei. Es besteht kein Bedarf nach Fortpflanzung, um noch einmal so etwas - entweder als eine Blüte oder als einen anderen Menschen - hervorzubringen; deshalb verändert sich die ganze Körperchemie. Die Hormone verändern sich, und man hört auf, entweder Mann oder Frau zu sein. Solch ein Mensch hat absolut keinen Nutzen für die Gesellschaft, und er kann keine andere Gesellschaft schaffen (lacht).
Die Idee der 'Vollkommenheit' ist töricht. Man kann es beim Sprechen oder beim Spielen eines Musikinstrumentes zur Perfektion bringen, aber das ist es nicht, was ich meine. Durch jahrelange Übung wollen Sie zum vollkommenen Menschen werden, aber da ist nichts, das sich vervollkommnen läßt. Warum 'das' geschieht, dafür gibt es weder Garantie noch Gründe. Es ist das einzige, das nicht reproduziert werden kann. Sie haben das Ideal des perfekten Menschen vor sich aufgerichtet, und dadurch geriet das Ganze auf die falsche Bahn. Den perfekten Menschen gibt es nicht. Ein Mensch, für den es diese Mutation (um diese Wort zu benutzen) gegeben hat, ist kein vollkommenes Wesen. Er hat all die Idiosynkrasien, Absonderlichkeiten, Dummheiten und Absurditäten, die nicht mit einem perfekten Menschen in Verbindung gebracht werden können - das hat damit überhaupt nichts zu tun. Er wird nicht zu einem überragenden Genie - morgen wird er etwas Außergewöhnliches erfinden und die Menschen auf alle Planeten bringen - nichts dergleichen! Beschränkungen bleiben Beschränkungen - die sind angeboren.
Daß ich meine Handlungen vorher und nachher in Frage stelle, ist vorbei. Die moralische Frage "Ich hätte dieses tun sollen, ich hätte jenes nicht tun dürfen, ich hätte das nicht sagen sollen" gibt es nicht für mich. Für mich gibt es kein Bedauern und keine Entschuldigungen; was immer ich tue, ist automatisch. Ich kann in einer gegebenen Situation nicht irgendwie anders handeln. Ich muß nicht rationalisieren oder logisch denken, nichts davon; es gibt in einer bestimmten Situation nur eine einzige Handlungsmöglichkeit. Beim nächsten Mal wird es eine andere Aktion geben. Es mag für Sie so aussehen, als handele es sich um eine ähnliche Situation, nicht jedoch für mich, weil es da einen neuen oder unbekannten Faktor geben kann und meine Handlung somit anders sein wird. Sie mögen das als Inkonsequenz oder Widersprüchlichkeit ansehen, aber ich kann nicht anders handeln - zwischen den beiden Handlungen besteht kein Zusammenhang.
Es ist physisch und nicht psychisch - ich erinnere mich an nichts, was in diesem Moment nicht geschehen würde - es gibt keine Reaktion, sondern nur eine Resonanz. Sie jedoch reagieren immerzu - es wird ständig für oder gegen etwas geurteilt: "Das ist richtig, das ist falsch." Die Resonanz, von der ich spreche, ist die physische Antwort auf die Situation. Ich funktioniere ständig auf der physischen Ebene. Wenn ich Sie sehe, denke ich an nichts; meine Augen richten sich auf Sie. Wenn ich mich nach der Seite drehe, gibt es Sie nicht mehr. Dann ist die Türklinke da und nicht Sie. Für mich sind Sie weg, Sie sind in meinem Bewußtsein nicht mehr vorhanden. Falls erforderlich, wird das wieder abgerufen - dann, wenn Sie Fragen stellen. Reaktion bedeutet, darüber nachzudenken: 'Richtig'. 'Falsch.' 'Gut.' 'Schlecht.' Resonanz ist physisch, Reaktion ist mental. Sie reagieren die ganze Zeit; Sie sprechen auf die Dinge, die da draußen sind, nicht körperlich an.
F: Wenn jemand versuchen würde, Sie zu schlagen, wären Sie darauf vorbereitet?
UG: Das ist eine hypothetische Situation. Wahrscheinlich würde ich zurückschlagen. Ich weiß es nicht. Ich predige keine Gewaltlosigkeit. Wahrscheinlich, aber ich weiß es nicht, sehen Sie. Das Problem ist, daß Sie auf jede Situation vorbereitet sein wollen.
F: Wenn jemand Sie schlüge, hätten Sie dann Angst?
UG: Es gibt etwas wie physische Angst - sie ist zum Schutz des menschlichen Organismus notwendig - sie ist sehr wichtig. Der physische Organismus weiß, was er in einer bestimmten Situation tun muß, also muß man nicht darüber nachdenken. Da gibt es keine Vorbereitung. Wenn Sie eine Schlange sehen, machen Sie einen Schritt zurück, und fertig; Sie denken darüber nicht nach. Das einzige, woran dieser physische Organismus interessiert ist, ist seine physiologische Sicherheit, und sonst gar nichts.
Diese Struktur, die ständig an alle Möglichkeiten denkt, die sich jede Situation auszumalen versucht und darauf vorbereitet sein will, mit jeder Situation, die im Laufe eines Lebens auftreten könnte, auch fertigzuwerden, ist etwas, das keinen Sinn macht, denn jede Situation ist ganz anders.
Das Leben leitet Sie an. Ich benutze das Wort 'Leben' nicht gern, weil es das Ganze mystifiziert. Der Organismus ist daran interessiert, sich zu schützen, und er weiß, wie er überleben muß. Wenn ich spazierengehe, sage ich zu meinen Freunden: "Um Himmels willen, denkt nicht, schaut!" Sie müssen nicht denken. Benutzen Sie nur Augen und Ohren, die werden Sie leiten.
Das Gesichtsfeld wird vollkommen klar, das Hörvermögen äußerst empfindlich, das ist alles; da ist keine Klarheit im Denken. Die Menschen haben etwas wie die 'sensorische Deprivation' erfunden. Was sie damit zu erreichen suchen, ist das Gegenteil hiervon. Hier sind die Sinne nicht ihrer Funktionen beraubt, im Gegenteil, sie haben eine besonders ereignisreiche Zeit. Sie gehen, wohin sie wollen, denken, was sie wollen und nehmen alles, wie es kommt. Es ist wie das Wasser des Ganges: vom Ufer werfen sie halbverbrannte Leichen hinein, Abwässer, und alles, was schmutzig ist, fließen hinein, und nach fünf Minuten ist der Fluß wieder kristallklar. So ähnlich ist es mit dem Denken. Es gibt keine guten Gedanken und keine schlechten Gedanken, keine sinnlichen Gedanken und keine spirituellen Gedanken - alle Gedanken sind das gleiche.
Sie mögen fragen: "Wie kann solch ein Mensch denn nur sexuelle Gedanken haben?" Es gibt nichts, was er tun könnte, um solche Gedanken zu unterdrücken oder auch, um ihnen Raum zum Handeln zu geben. Das ist die Realität, es ist eine Tatsache. Manchmal kommt mir eine sinnliche Erinnerung von Nirgendwo, wie ich meine Frau liebe. Aber wenn solche Gedanken Wurzeln schlagen wollen, zieht sich alles in einem zusammen, man muß gar nichts tun. Die Gedanken können nicht verweilen, es gibt keine Kontinuität, keine Steigerung - man weiß, was es ist, und damit endet es, bis etwas anderes kommt. Für Sie hört es damit aber nicht auf; Sie sagen sich: "Wie kann ich nur diese lüsternen Gedanken haben?" Sie denken, Sie seien nicht frei, solange Sie sexuelle Gedanken haben; aber seien Sie sich dessen gewiß, daß Sie kein lebendiges menschliches Wesen wären, wenn Sie sie nicht hätten. Gleich ob Heiliger oder Sünder - Sie müssen auf jeden Stimulus reagieren. Es gibt keine Sublimation - all das ist absoluter Unsinn. Die Heiligen erzählen Lügen - es ist Quatsch, Blödsinn, glauben Sie nichts davon. Wozu sollte es gut sein, sich selbst zu verdammen und zu sagen, man sei ein Sünder? Was für einen Unsinn sie reden! Sie müssen reagieren - wenn da eine Frau ist, muß es eine physische Reaktion geben - oder Sie sind eine Leiche.
Aber 'hier' gibt es keine Kontinuität, keine Steigerung; etwas anderes fängt an. Gedanken kommen und gehen; sie wiederholen sich - es macht sogar Spaß. Es ist nicht so, daß ich mir das ansehen würde, wie einer, der ein bißchen Spaß haben will. Die meiste Zeit weiß man nicht einmal, daß sie da sind. Sie können nicht bleiben, sie bewegen sich; wenn man erkennt, daß da Schwierigkeiten auftauchen, dann ist das auch gut, denn sie können nicht lange bleiben, sie werden von der nächsten Sache beiseite geschoben. Man muß überhaupt nichts tun; bevor man merkt, was los ist, ist es schon vorbei. Wenn man versucht es anzusehen, ist es nicht da; was man sieht, ist völlig verschieden von dem, was eben noch da war. Es gibt keine Probleme; sie werden nur dann zu Problemen, wenn Sie sich in eine Ecke setzen, versuchen zu meditieren und Ihre Gedanken zu kontrollieren. Gedanken steigen in Ihnen auf: Wie könnten Sie das kontrollieren? Sie haben keine Kontrolle darüber. Es ist Ihnen nicht möglich, sie zu kontrollieren. All das ist eine Übung in Vergeblichkeit. Sie müssen überhaupt nichts tun.
Dieser Mann hier ist nicht aus Stein. Er wird von allem, was geschieht, beeinflußt. Aber er gibt sich auch nicht damit ab, für sich eine Rüstung zu schaffen. Der religiöse Mensch hat eine Panzerung um sich herum aufgebaut. 'Hier' ist der kumulative Prozeß abgeschlossen, das Handeln ist nur noch physischer Natur, es liegt ausschließlich auf dieser Ebene. Die Sinne rennen herum wie wilde Pferde - es ist niemand da, sie zu kontrollieren - sie rennen nach hier, sie rennen nach dort, wie es die Situation eben erfordert. Dieses Handeln ist die Bewegung des Lebens, die wirkliche Bewegung des Lebens; sie hat keine Richtung. Wenn Sie die Hilflosigkeit akzeptieren, ist das Problem gelöst - deshalb sage ich, daß für Sie keine Handlungsfreiheit besteht. Worüber ich spreche, ist keine fatalistische Philosophie; ich spreche darüber, wie die Vergangenheit daran gehindert werden kann, sich in die Gegenwart einzumischen und sie zu verfälschen.
All das Gerede über Urdhvaratus (Sublimation der sexuellen Energie) ist Blödsinn. Ich behaupte das mit Nachdruck, denn ich habe damit experimentiert und weiß, wovon ich spreche.
Dadurch, daß Sie sexuelle Energie konservieren wollen, werden Sie sich kein bißchen vervollkommnen. Es ist zu töricht und absurd. Warum wurde das denn nur so überbetont? Abstinenz, Kontinenz, Zölibat, sie werden Ihnen nicht dabei helfen, in diesen Zustand zu kommen (lacht). Sie können heute Sex haben, und morgen kann Ihnen das passieren. Es kann sogar durch den Sex geschehen. Wenn es da einen Moment geben sollte, wo niemand ist, der irgend etwas erlebt, dann ist das der Moment, in dem so etwas geschehen kann. Es muß nicht die Predigt eines religiösen Mannes sein - ein fallendes Blatt, das Muhen einer Kuh, das Wiehern eines Pferdes, alles, was passiert, kann der Auslöser sein - wenn Sie nichts interpretieren, kann es von selbst geschehen.
So etwas wie Sublimierung gibt es nicht, nichts geht da nach oben; es geht nur nach außen - aber diese heiligen Männer wollen das nicht akzeptieren. Wenn sie ehrlich genug wären, könnten sie wissen, was sie sagen.
Sex wurde unglücklicherweise von den anderen Aktivitäten abgetrennt. Ich habe mich immer gewundert, weshalb. Es ist eines, es läßt sich nicht trennen. Warum haben sie ihn nur auf eine andere Ebene verfrachtet? Das hat die Probleme geschaffen, nicht nur hier, auch in den westlichen Ländern. Auch das Christentum hat diese Trennung vollzogen, vielleicht aus Sicherheits- oder Besitzgründen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, diese Dinge loszuwerden, aber damals war das nicht so einfach.
F: Da gibt es diese schöne Wort "neurotischer Hiatus" (neurotische Spaltung).
UG: Die Religion ist hierfür verantwortlich - sie hat uns das eingebrockt. Das wirkliche moralische Problem ist das Infragestellen all unserer Handlungen. Wir brauchen einen neuen Moralkodex; er ist nötig, sonst können wir nicht funktionieren. Das ist jetzt die Schwierigkeit. Die Menschen (zumindest im Westen) fangen zögernd an, nach neuen Regeln zu suchen. Die alten sind unzeitgemäß, anachronistisch und am Ende. Was soll das mit dem Sex? Er ist heute so einfach geworden, und jeder spricht darüber. Die Erfindung der empfängnisverhütenden Pille brachte eine der epochalen Umwälzungen der modernen Zeit mit sich. Sie hat alles verändert.
Darf ich Sie etwas fragen? Was ist Ihrer Meinung nach ein normaler Mensch? Gibt es den überhaupt? Sie unterscheiden die Menschen natürlich, und Sie haben gewisse psychologische oder philosophische Normen... Oder, was ist ein gesunder Mensch? Was ist Gesundheit? Manchmal überlege ich, wer ein gesunder Mensch ist. Nicht, daß ich eine Frage hätte...
F: Was normal ist, wird von jeder Gesellschaft festgelegt. Der gewöhnliche Mensch will ständig mit den anderen sein und macht deshalb gewisse Zugeständnisse. Das ist die einzige Definition, die ich habe.
UG: Selbst solch ein Mensch - der 'besondere' Mensch im Gegensatz zu Ihrem 'gewöhnlichen' Menschen, muß hier in dieser Gesellschaft leben. Er kann nicht weglaufen, in einer Höhle leben und meditieren. Er lebt nicht im Konflikt mit dieser Gesellschaft, er akzeptiert die Realität der Welt, obwohl sie so irreal ist, er lebt in der Welt und akzeptiert die Realität, die von allen akzeptiert wird. Das ist sehr wichtig. Ich kann mich nicht in eine Höhle setzen, über Brahman meditieren und zu mir selbst sagen: "Ich bin Brahman"; diese Realität ist die einzige Realität, und eine andere gibt es nicht. Die 'letzte' Wirklichkeit ist Quatsch und Unsinn, sie existiert nicht, das ist ein Mythos; dies ist die einzige Realität. Welche andere Realität sollte es geben? Solange Sie die Gefühle der Gesellschaft miterleben, sind Sie Teil der Gesellschaft. Weil Sie so etwas wie eigene Gedanken und Erfahrungen nicht haben, können Sie vor dieser Gesellschaft nicht weglaufen. Sie sind nicht getrennt von ihr; Sie sind diese Gesellschaft. Was ich sage, hat keine sozialen oder religiösen Inhalte.
F: Kann ich die Frage an Sie zurückverweisen? Was ist Ihrer Auffassung nach ein normaler Mensch?
UG: Für mich gibt es so etwas wie einen normalen Menschen nicht. Wenn ich mir die sogenannten geisteskranken Menschen anschaue, dann frage ich mich, ob sie die Irren sind oder die, die sie behandeln. Ich habe neulich diesen Witz erzählt: "Sitzt einer in der Irrenanstalt und sagt: "Ich bin Jesus Christus." Sagt sein Freund, ein anderer Irrer: "Ich weiß, daß du es nicht bist." "Woher willst du wissen, daß ich es nicht bin?" "Ich bin Gottvater. Ich habe dich geschaffen, also werde ich es wohl wissen." (Gelächter). Hier ist es genauso, wenn ich all diese Leute sitzen sehe, die sagen: "Aham Brahmasmi" (Ich bin Brahman). Was soll dieser Unsinn? Nicht, daß ich gegen irgend etwas wäre...
F. Sie würden sich eine solche Frage nicht stellen: "Bin ich normal?"
UG: Nein, das frage ich nicht. Manchmal lese ich nur das 'Time Magazine' - ich lese das ganze Zeug, sehen Sie. Warum lese ich das? Ich lebe in dieser Welt, und ich möchte gerne wissen, was passiert. Warum nicht? All die anderen Bücher wollen mir erzählen, wie ich mich verbessern kann und verändern, wie ich dort sein soll und wie ich das sein soll. Ich will überhaupt nicht anders sein, als ich es bin, also habe ich kein Interesse an irgendeinem dieser Bücher. Manche Leute fragen mich, warum ich Krimis lese. Weil dort viel passiert. Wenn ich in ein Kino gehe, sehe ich mir Cowboyfilme an, da ist viel Bewegung. Beim Fernsehen schaue ich mir nur die Reklame an.
F: Werden Sie beeinflußt von dem, was Sie sehen?
UG: Auf irgendeine Weise wirkt sich das aus - man ist Teil der Welt, also wird man beeinflußt. Man ist zwar nicht mit einbezogen, wird aber doch beeinflußt. Es gibt einen Unterschied, ob man sich mit einbeziehen oder sich beeinflussen läßt. Alle Fenster stehen offen: es spielt keine Rolle, ob dies oder das, alles kann hereinkommen.
Wir haben sehr seltsame Ideen auf religiösem Gebiet - foltere diesen Körper, schlafe auf Nägeln, kontrolliere und verleugne die Dinge - alle möglichen Merkwürdigkeiten. Wozu? Warum sollte man bestimmte Dinge verleugnen? Worin besteht der Unterschied zwischen einem Mann, der auf ein Glas Bier in eine Kneipe geht und dem, der in den Tempel geht, um ständig den Namen Ramas zu wiederholen? Im Grunde sehe ich keinen Unterschied. Vielleicht ist das eine antisozial. Im Westen denken sie das nicht, aber hier nehmen wir das an. Das sind alles nur Ausflüchte. Ich bin nicht gegen Ausflüchte. Aber ob Sie diesen Weg oder einen anderen zur Flucht benutzen, so bleibt es doch eine Flucht. Sie flüchten vor sich selbst.
Was Sie tun oder was Sie nicht tun, spielt überhaupt keine Rolle. Ihre Übungen in Heiligkeit, Ihre Übung in Tugendhaftigkeit, sie sind in sozialer Hinsicht wertvoll für die Gesellschaft, aber sie haben nichts mit diesem hier zu tun.
F: Natürlich leben wir in der Gesellschaft, aber was Erleuchtung, Erkenntnis, oder wie immer sie es nennen, anlangt....
UG: Was immer für Worte Sie benützen, es sind Ihre Worte.
F: ....hat nichts damit zu tun?
UG: Das hat absolut nichts damit zu tun. Ich gehe manchmal so weit zu sagen, daß es auch einem Vergewaltiger, einem Mörder, einem Dieb, einem Knastbruder, einem Betrüger möglich ist, das zu erreichen. Ich betone noch einmal...
F: Aber ist das schon passiert?
UG: Es kann passieren, ja. Ich weiß es nicht, vielleicht. Die moralischen Verhaltensregeln stehen hierzu in keiner Beziehung. Es ist nicht so, daß dieser Mann hier amoralisch wäre, das könnte er gar nicht sein, sehen Sie, das ist ihm unmöglich.
F: Richtet sich sein Verhalten automatisch nach dem in der Gesellschaft vorherrschenden Sittenkodex?
UG: Sein Verhalten liegt wahrscheinlich in gewissem Maße innerhalb des Rahmens des moralischen und religiösen Kodex. Aber er stellt eine Gefahr dar. Was ich sage, stellt für Sie, so wie Sie sich kennen und selbst erleben, eine Gefahr dar.
F: Wie?
UG: Sie können das nicht akzeptieren. Wie sollten Sie das akzeptieren können?
F: Aber wenn es doch automatisch eintritt, wo taucht dann die Frage auf, daß Sie eine Gefahr seien? Sie können ja niemandem die Möglichkeit verschaffen, das auch zu erreichen.
UG: Deshalb sage ich, daß dieses Individuum für die Gesellschaft von keinerlei Nutzen sein kann. Dieser Mann ist ein seltenes Exemplar. Stellen Sie ihn in einen Käfig oder ein Museum, und schauen Sie ihn an. Er ist etwas Besonderes!
F: Aber niemals gefährlich?
UG: Aber um so mehr, sehen Sie, weil er sich nicht in das System einfügen läßt.
F: Es gibt Menschen, die sagen, das Überleben der Menschheit sei noch innerhalb eines Jahrhunderts bedroht.
UG: Glauben Sie das? Diese Spezies hat viele Jahrhunderte überlebt, und sie wird einen Weg finden, das auch noch weiterhin zu tun. Meine Überzeugung ist, daß wir - nicht aus Liebe, nicht aus universeller Brüderlichkeit und all diesem Zeug, sondern aus der panischen Angst heraus, uns selbst zu liquidieren - lernen werden, zusammen zu leben. Man kann keinen anderen verletzen - nicht psychisch, sondern physisch - ohne sich selbst wehzutun. Nur wenn wir das erkannt haben, werden wir es lernen, miteinander zu leben. Solange der Einzelne nur seine eigene Sicherheit sucht, kann es keine generelle Sicherheit geben. Wir reden auf internationalem Gebiet von 'Entspannung', aber das muß bis auf die Ebene der individuellen Beziehungen durchsickern. Nur dann wird Zusammenleben möglich sein, und nicht durch dieses Gerede von der 'Einheit des Lebens' und der 'universellen Bruderschaft' - das hat bisher nichts genützt und wird es auch in Zukunft nicht tun. Nur die panische Angst wird uns dazu bringen, friedlich zusammenzuleben, ob uns das gefällt oder nicht. Sie können einen Revolver nehmen und den stärksten, mächtigsten Mann der Welt für sich tanzen lassen - das ist eine Tatsache. All das wird irgendwie überleben. Sie werden nicht das ganze Ding kaputtgehen lassen. Nur einem Wahnsinnigen würde es in den Sinn kommen, daß es Zeit für uns wäre, alle auf einen Schlag zu verschwinden.
Die Menschheit hat seit Jahrhunderten überlebt, und jetzt fangen wir plötzlich an von 'Werten' und solchen Dingen zu reden? Wozu? Das hat uns nicht geholfen, in Harmonie und Frieden zu leben. Wir haben das moralische Problem selbst geschaffen. Die Tiere und Pflanzen haben kein religiöses Problem; das hat nur der Mensch, und der hat es sich selbst bereitet.
Sehen Sie, 'das' hat absolut keinen sozialen Gehalt, und ich kann mir keinerlei kollektives Handeln vorstellen. Dieses Individuum hier ist etwas, das die Natur irgendwie hervorgebracht hat, und ob es von jemandem anerkannt wird, ist von keinerlei Bedeutung. Dieser Mann kann für die Gesellschaft nicht von Nutzen sein. An dem Tag, an sie meint, ich sei eine Bedrohung für ihre Existenz, wird sie mich natürlich liquidieren. Es ist mir egal. Wenn die Gesellschaft mich liquidiert, ist es für mich von keinerlei Bedeutung, ob irgend etwas von mir bleiben sollte. Ich habe weder den missionarischen Eifer noch sonst irgendein Verlangen, die Menschheit zu retten. Wer hätte mir den Auftrag erteilt, die Menschheit zu retten? Sie existiert seit Jahrtausenden und wird es auch weiterhin tun. Ich bin nicht im 'Heiligen Geschäft' tätig; ich singe mein eigen Lied. Wenn jemand kommt, dann rede ich, wenn niemand kommt, gehe ich spazieren oder beobachte die Vögel und schaue die Bäume an - so vieles passiert. Aber ich gehe nicht hinaus und stelle mich auf ein Podium, um zu reden. Für diese Sachen bin ich nicht gemacht. Ich bin ein einfacher Mann, ich möchte die Dinge nicht unnötigerweise komplizieren. Sehen Sie, meine Situation ist ganz einfach. Ich stehe immer zur Verfügung. Ich habe kein Privatleben, das ich mein eigen nennen könnte. Jedermann kann jederzeit zu mir kommen. Ich sehe die Menschen einfach und sage: "Guten Morgen, was kann ich für Sie tun?" und das ist alles, was ich tun kann, denn ich habe nichts zu geben; das ist alles.
Wissen ist nichts Geheimnisvolles oder Mystisches. Sie wissen, daß Sie glücklich sind, und Sie haben Theorien darüber, wie dieser Ventilator oder das Licht funktionieren. Wir sprechen über diese Art von Wissen. Nun führen Sie eine andere Art von Wissen ein, 'spirituelles Wissen', aber - spirituelles Wissen, sinnliches Wissen - wo liegt da der Unterschied? Wir ordnen ihnen Namen zu. Phantasien über Gott sind akzeptabel, aber Phantasien über Sex werden 'sinnlich' oder 'körperlich' genannt. Zwischen beiden besteht kein Unterschied; das eine findet gesellschaftliche Akzeptanz, das andere nicht. Sie beschränken Ihr Wissen auf eine bestimmte Erlebnisebene, also wird das eine 'sinnlich' und das andere 'spirituell'? Für mich ist alles sinnlich.
Das Wissen, das für den lebendigen Organismus unbedingt notwendig ist, muß natürlich vorhanden sein. Aber all diese Spekulationen über Gott, Wahrheit und Realität haben für mich keinen Sinn - es sind kulturelle Werte, die keinerlei Zusammenhang mit dem Überleben des Organismus aufweisen; es sind alles gesellschaftlich und willkürlich festgelegte, religiöse Werte. All unsere Geschmacksrichtungen sind künstlich herangezogen. Ebenso unsere Vorlieben und Abneigungen; so etwas wie eine absolute Moralität gibt es nicht. Unter 'Moralität' verstehe ich das Infragestellen Ihrer Handlungen vor und nach ihrer Ausführung. Das liegt alles auf einer sozialen Ebene. Wozu ist ein guter Mann auf dieser Welt gut? Er ist gut für die Gesellschaft, nicht wahr? Diese Kodizes sind für das reibungslose Funktionieren der Gesellschaft nötig. Die religiösen Menschen haben einen Polizisten in Ihnen aufgestellt. Bestimmte Tätigkeiten werden als 'gut' bezeichnet und andere als 'schlecht', entweder bevor oder nachdem Sie sie tun - und das hat Ihnen in keiner Weise geholfen; es ist das Denken, das die Probleme schafft. Das Problem des Menschen ist im Grunde dieses moralische Dilemma, daß er seine Handlungen vorher und nachher in Frage stellen muß - das wurde zum neurologischen Problem, es ist kein religiöses Problem - Ihr ganzer Körper ist miteinbezogen. Sogar Gott ist ein neurologisches Problem: 'Gott' (god) enthält dieselbe Buchstabenfolge wie 'dog' (Hund), aber beim Wort 'Gott' reagiert ihr ganzer Organismus. Ihre ganzen Überzeugungen sind nicht nur psychologisch, sondern auch neurologisch.
Sie wissen nicht, was gut ist. Sie wissen nur, was gut für Sie selbst ist. Das ist alles, woran Sie interessiert sind, und das ist ein Faktum. Alles dreht sich darum. All Ihre Kunst und die Vernunft drehen sich hierum. Ich bin nicht zynisch, aber das ist wirklich so. Das ist in Ordnung so, ich habe nichts dagegen. Die Dinge mögen sich ändern, das aber ist Ihr Leitmotiv durch alles Gegebenheiten hindurch. Sehen Sie, ich sage nicht, daß das falsch sei. Wenn dem nicht so wäre, dann würde etwas mit Ihnen nicht stimmen. Solange Sie sich auf dem Gebiet der Gegensatzpaare (wie sie genannt werden) von 'gut' und 'schlecht' bewegen, werden Sie in jeder Situation wählerisch sein müssen, das ist alles. Sie können gar nicht anders handeln.
Ein 'moralischer Mensch' ist ein Feigling. Ein 'moralischer Mensch' ist ein ängstlicher und gehemmter Mensch - deshalb übt er sich in Moral und sitzt über andere zu Gericht. Und wie groß seine gerechte Entrüstung ist! Ein moralischer Mensch (sofern es den geben sollte), wird niemals über Moral reden und sich kein Urteil über die Moral der anderen anmaßen. Niemals.
Der Mensch ist immer eigennützig, und er wird es solange bleiben, wie er die Selbstlosigkeit als Tugend predigt. Ich habe nichts gegen selbstsüchtige Menschen. Ich will nicht über Selbstlosigkeit sprechen, dafür gibt es keine Grundlage. Sie sagen: "Morgen werde ich ein selbstloser Mensch sein. Morgen werde ich ein wunderbarer Mensch sein" - aber bis morgen kommt (oder übermorgen oder das nächste Leben), werden Sie egoistisch bleiben. Was meinen Sie mit 'Selbstlosigkeit'? Sie sagen jedem, er solle selbstlos sein. Was soll das? Ich habe noch niemals zu jemandem gesagt: "Sei nicht egoistisch!" Seien Sie selbstsüchtig und bleiben Sie es. Das ist meine Botschaft. Der Wunsch nach Erleuchtung ist Selbstsucht. Auch das Verteilen milder Gaben des reichen Mannes geschieht aus Eigennutz; er möchte als großzügiger Mensch in Erinnerung bleiben. Sie werden ihm ein Denkmal errichten.
Ich habe überhaupt nichts gegen die elementaren Vergnügungen, denen Sie sich hingeben. Was immer Sie auch tun, ich habe nichts dagegen. Weil Sie denken, es gäbe etwas Interessanteres als das, was Sie gerade tun, entsteht Unruhe - denn Sie glauben, es gäbe eine 'ideale Methode' und eine 'perfekte Weise', die Dinge zu tun. Warum ist das so?
F: Wir hätten gerne das Gefühl, daß wir etwas Nützliches tun mit unserem Leben.
UG: Am Ende Ihres Lebens werden Sie sagen, daß Sie Ihr ganzes Leben vergeudet haben. Sie tun nichts, um sich zu ändern; Sie haben ein 'künftiges Leben' erfunden. Ihre Unzufriedenheit ist gekünstelt. Wenn Sie sich wirklich für die Menschheit interessierten, würden Sie auch versuchen, etwas zu ändern.
Wird die Frage "Wie soll man leben?" einmal aufgegeben, dann wird das Leben selbst zum Allerwichtigsten. Sie müssen frei sein von der Bürde der Kultur, aber natürlich kann man sie nicht einfach wegwerfen. Da ist zum Beispiel die Geschichte mit dem morgendlichen Bad. Das ist doch völlig einfach - ich nehme auch mein Bad - aber was ist denn da Religiöses daran? Sie denken, es gäbe etwas, das interessanter sei, als das, was Sie tun. Wenn Sie damit einmal Schluß machen, dann wird das, was Sie tun, sehr sehr interessant.
Man hat Ihnen gesagt, Sie sollten sich in Bedürfnislosigkeit üben. Sie haben nun dreißig oder vierzig Jahre lang Bedürfnislosigkeit geübt, und immer noch empfinden Sie Begierden. Also muß da doch irgendwas nicht stimmen. An den Sehnsüchten und Begierden kann es nicht liegen; aber etwas kann da doch nicht stimmen mit denen, die gesagt haben, Sie sollten Begierdelosigkeit praktizieren. Die Begierden sind eine Realität. Das Begehren an und für sich kann nicht falsch sein, denn es ist schließlich vorhanden. Der Zorn an sich kann doch nicht falsch sein, denn er ist da. Sie reden von einer Energie, die diese Menschen als Gott, oder Gott-weiß-was, definiert haben. Sehen Sie nicht, daß es genau dieses Denken ist, das alles zum Problem gemacht hat? Zorn ist Energie. Begierde ist Energie. All die Energie, die Sie brauchen, ist schon vorhanden. Wozu zum Teufel brauchen Sie mehr Energie? Sie zerstören die schon vorhandene Energie durch das Denken. Das Denken allein hat das Problem geschaffen. Ohne Denken gibt es da kein Problem. Was ich sage, ist, daß Sie durch Denken kein Problem lösen können; Denken schafft nur Probleme.
Sie hoffen, Sie könnten das Problem der Begierde durch das Denken lösen, denn Sie haben das Vorbild eines Heiligen, von dem Sie annehmen, er habe die Begierden kontrollieren oder ausmerzen können. Wenn dieser Mann keine Wünsche hat, so wie Sie sich das vorstellen, dann ist er schon tot. Glauben Sie solch einem Menschen nicht. Er baut eine Organisation auf und lebt im Luxus, den Sie bezahlen. Sie halten ihn aus. Er tut das alles, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es gibt immer einen Narren, der auf so etwas hereinfällt. Hin und wieder läßt er es zu, daß Sie vor ihm niederknien. Sie wären überrascht, würden Sie mit ihm leben. Sie würden den Schock Ihres Lebens bekommen, würden Sie ihn so sehen. Deshalb sind die alle so unnahbar, weil sie befürchten müssen, man könnte sie zu einer ungünstigen Zeit erwischen.
Der Reiche hat immer Angst davor, daß man ihn um Geld angeht. Ähnlich ist es beim religiösen Menschen - Sie können niemals wirklich mit ihm in Kontakt treten. Ihn zu sehen, ist viel schwieriger, als den Präsidenten Ihres Landes zu treffen - das ist leichter, als einen heiligen Mann zu sehen. Er ist nicht das, was er behauptet zu sein, und nicht das, was er zu sein vorgibt.
Die Menschen aber, die es 'erreicht' haben, leben unter den Menschen - Sie können sie dort immer treffen.
F: Was ist der Sinn, der Zweck des Lebens?
UG: Sie fragen mich: "Hat irgend etwas einen Sinn?" Schauen Sie, man hat Ihnen eine Menge Sinn und viele Zwecke gegeben, warum also suchen Sie immer noch danach? Ein jeder hat über Sinn und Zweck des Lebens gesprochen, jeder. Die Heiligen und Weisen und Retter der Menschheit (es gibt Tausende davon in Indien) haben Antworten gegeben - und doch fragen Sie heute immer noch dieselbe Frage: "Hat das Leben irgendeinen Sinn und Zweck?" Entweder sind Sie nicht zufriedengestellt, oder aber Sie sind nicht wirklich interessiert daran, es selber herauszufinden. Ich unterstelle, daß Sie nicht wirklich interessiert sind, denn es ist eine furchterregende Angelegenheit. Es ist sehr furchterregend. Gibt es so etwas wie die Wahrheit? Haben Sie sich diese Frage einmal selbst gestellt? Hat irgend jemand die Wahrheit gesprochen?
F: Es gibt so viele Wahrheiten.
UG: Es sind die Lügner, Gecken, Schwindler und Betrüger der Welt, die behaupten, sie hätten nach der Wahrheit gesucht und sie gefunden! Gut, Sie wollen für sich selbst herausfinden, was die Wahrheit ist. Können Sie sie finden? Können Sie die Wahrheit einfangen, sie festhalten und sagen: "Das ist die Wahrheit?" Ob Sie das akzeptieren oder ablehnen, ist dasselbe; es hängt von Ihren persönlichen Vorlieben und Vorurteilen ab. Wenn Sie also für sich selbst herausfinden wollen, was die Wahrheit ist, was immer sie sein mag, dann sind Sie nicht in der Lage, sie entweder anzunehmen, noch sie abzulehnen. Sie setzen voraus, daß es so etwas wie Wahrheit gibt, Sie setzen voraus, daß es so etwas wie Realität gibt (eine letzte oder sonst eine), und es ist diese Annahme, die für Sie das Problem und das Leiden schafft.
Sehen Sie, wenn ich Gott, Wahrheit, Realität und dergleichen erfahren will, so muß ich zunächst einmal verstehen, welcher Art die erfahrende Struktur in mir ist, bevor ich mich damit befassen kann. Ich muß sehen, welches Instrument ich benütze. Sie versuchen etwas zu erlangen, das sich mittels der erfahrenden Struktur nicht begreifen läßt. Das heißt, daß es sie nicht mehr geben darf, wenn das andere hereinkommen soll. Was das ist, werden Sie niemals wissen können. Sie werden die Wahrheit niemals kennen, denn sie ist eine Bewegung. Sie ist eine Bewegung! Sie können sie nicht erlangen, Sie können sie nicht fassen, Sie können sie nicht ausdrücken. Wir sind nicht an einer mit Mitteln der Logik festgestellten Prämisse interessiert. Es wird also Ihre eigene Entdeckung sein müssen. Wem sollten meine Erfahrungen nützen? Es gibt Tausende von Erfahrungsberichten - die haben Ihnen nichts gebracht. Es ist die Hoffnung, die Sie immer weitermachen läßt: "Wenn ich dieser Sache nochmals für zehn oder fünfzehn Jahre folge, vielleicht werde ich dann eines Tages..." denn die Struktur ist Hoffnung.
F: So verbringt man sein Leben und entdeckt am Ende, daß man gar nichts entdeckt hat.
UG: Nichts. Das ist die Entdeckung. Die sogenannte Selbstentdeckung ist die Entdeckung, die man für sich und durch sich selbst macht, daß es kein Selbst zu entdecken gibt. Das wird eine schockierende Sache werden: "Warum zum Teufel habe ich nur mein ganzes Leben verschwendet?" Es ist schockierend, weil es jeden Nerv, jede Zelle, selbst die des Knochenmarks, zerstören wird. Ich sage Ihnen, das wird nicht leicht sein, es wird Ihnen nicht auf einem silbernen Tablett überreicht werden. Sie müssen vollkommen desillusioniert werden, dann fängt die Wahrheit an, sich selbst auf ihre Weise zum Ausdruck zu bringen. Ich habe entdeckt, daß es nutzlos ist, zu versuchen, die Wahrheit entdecken zu wollen, denn sie ist etwas, das sich nicht erlangen und fassen läßt und dem man keinen Ausdruck verleihen kann.
F: Können Sie Ihren Zustand beschreiben, ihn mitteilen?
UG: Sehen Sie, in dem Moment, in dem ich etwas mitzuteilen versuche, ist es weg. Nur noch der Schatten ist da - und das ist es nicht.
F: Ist es eine nicht vermittelbare Erfahrung?
UG: Nein, es kann nicht erfahren werden. Man kann nicht etwas mitteilen, das sich nicht erfahren läßt. Ich will diese Worte eigentlich nicht benutzen, denn 'unvermittelbar' und 'unbeschreibbar' implizieren, daß es da etwas gäbe, das nicht vermittelt und beschrieben werden könnte. Ich weiß es nicht. Es besteht die Vermutung, daß da etwas ist, das nicht vermittelt und beschrieben werden kann. Da ist nichts. Ich will aber nicht sagen, daß da nichts ist, denn an dieser Stelle werden Sie mich kriegen - Sie werden es 'Leere', das 'Vakuum' und alles mögliche nennen. (Gelächter)
Ich kann es nur so ausdrücken: was immer dort ist, kann nicht erfahren werden - ob da etwas ist, weiß ich nicht, ich habe überhaupt keine Möglichkeit, das zu wissen. Um es in Ihrer eigenen vedantischen Terminologie zu sagen: so etwas wie das Unbekannte gibt es gar nicht. Was immer Sie von dem, was Sie das 'Unbekannte' nennen, wissen, ist nicht das Unbekannte. Ob es so etwas wie das Unbekannte gibt, das weiß ich wirklich nicht. Was immer Sie von diesem Unbekannten wissen und von dem, was Sie das 'Unbekannte' nennen, zu erfahren glauben, ist nicht das Unbekannte, denn es ist Teil Ihres Wissens geworden.
Was wollen Sie? Sagen Sie mir, was ist es? Sehen Sie, Sie können nicht nach einem Ding fragen, das Sie nicht kennen, und hierüber wissen Sie, jetzt oder jemals, gar nichts; selbst wenn man für einen Moment davon ausginge, Sie seien ein erleuchteter Mensch, so hätten Sie doch keine Möglichkeit, irgend etwas zu erfahren. Dies kann niemals Teil Ihres Wissens werden.
'Das' hat verstanden, daß es nicht möglich ist, noch irgend etwas zu verstehen. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen das klarmachen kann. Die Individualität, die Isolation, die Trennung (oder wie Sie es sonst nennen wollen) gibt es nicht mehr. Was Sie trennt und isoliert, ist Ihr Denken - es schafft die Grenzen. Wenn die Grenzen einmal fallen, ist es grenzenlos. Nicht, daß Sie diese Grenzenlosigkeit Ihres Bewußtseins erfahren könnten; der Inhalt Ihres Bewußtseins ist so immens, daß Sie gar nichts darüber sagen können. Daher gebrauche ich die Worte "es ist ein Zustand des Nichtwissens". Sie wissen wirklich nicht. Aber wie wissen Sie, daß Sie nicht wissen? Es ist nicht so, daß Sie sich selbst sagen würden, daß Sie nicht wissen; aber in Bezug auf Ihren gewöhnlichen Bewußtseinszustand haben Sie keine Möglichkeit, das überhaupt zu wissen - niemand hat diese Möglichkeit. Von Ihrer Seite aus wird nicht einmal der Versuch gemacht, irgend etwas zu erfassen.
Sie häufen keine Erfahrungen an. Wenn Sie eine Sache erfahren wollen, dann gibt es da eine ganze Serie von Geheimnissen, die an Ihre Tür klopfen. 'Das' ist überhaupt keine Erfahrung. Sie sind daran interessiert, die letzte Realität zu erfahren, die Wahrheit, Gott, der Himmel weiß was; aber es ist ein vergebliches Bemühen, etwas erfahren zu wollen, das sich nicht erfahren läßt. Das heißt nicht, daß es außerhalb der erfahrenden Struktur läge - "Es ist etwas, das ich nicht beschreiben kann, das ich nicht..." - sehen Sie, es ist all das nicht, sondern es ist so, daß die erfahrende Struktur an ihr Ende gelangt. Wenn Sie das nicht erkennen, was Sie ansehen - diese Blume ist eine Blume, diese Rose ist eine Rose - dann heißt das, daß Sie nicht da sind. Was sind Sie? Sie sind nichts als ein Bündel all dieser Erfahrungen, des Wissens, das Sie darüber besitzen.
Ich sehe, und ich weiß nicht, was ich ansehe. Meine sinnlichen Wahrnehmungen befinden sich in optimaler Aufnahmebereitschaft, aber in mir ist nichts, das sagte: "Das ist grün, das ist braun. Sie haben weißes Haar. Sie tragen eine Brille." Das Wissen, über das ich verfüge, ist im Hintergrund, es ist nicht in Betrieb. Also: "Bin ich wach? Schlafe ich?" - ich habe keine Möglichkeit, das selbst zu wissen. Daher sage ich, daß es in diesem Bewußtsein keinerlei Aufteilung in Wach-, Traum- oder Tiefschlafzustände gibt. Das kann 'Turiya' genannt werden (um Ihren Sanskritausdruck zu benützen) - d.h. diese Dinge nicht zu transzendieren; ein völliges Nichtvorhandensein dieser Einteilung.
F: Gibt es in Ihrer Welt keine Träume?
UG: Irgendwie ist das ganze Leben wie ein großer Traum. Ich sehe Sie an, weiß aber wirklich gar nichts über Sie - das ist ein Traum, eine Traumwelt - es besitzt gar keine Realität. Wenn die erfahrende Struktur nicht das Bewußtsein (oder wie immer Sie das nennen) manipuliert, dann ist das ganze Leben, empirisch gesehen, ein großer Traum - nicht von diesem hier, sondern von Ihrem Standpunkt aus gesehen. Sehen Sie, Sie verleihen den Dingen Realität - nicht nur den Gegenständen, sondern auch den Gefühlen und Erlebnissen - und Sie glauben, sie seien real. Wenn Sie sie nicht in die Begriffe Ihres angehäuften Wissens übersetzen, dann sind sie keine Dinge; Sie wissen wirklich nicht, was sie sind.
F: Dieser Zustand des Nichtwissens ist so, als würde man im Traum leben?
UG: Für Sie. In Bezug auf die Realität, die Sie den Dingen geben, würden Sie diesen Zustand des Nichtwissens als Traum bezeichnen. Ich weiß wirklich nicht einmal, ob ich lebendig oder tot bin.
Hier gibt es so etwas wie eine Realität nicht mehr, geschweige denn eine letzte Realität. Ich funktioniere in dieser Welt, als würde ich die Realität von allem so akzeptieren, wie Sie das tun. Zum Beispiel (diese Frage stelle ich öfter) - ist es Ihnen möglich, den dreidimensionalen Raum, in dem Sie sich bewegen, zu erleben? Nein. Sie müssen ein bestimmtes Wissen über ihn besitzen: Höhe, Breite, so und so viele Meter. Wie könnten Sie den dreidimensionalen Raum außer durch Wissen erleben? Also kann nicht einmal das erlebt werden, geschweige denn die vierte Dimension - wir wissen wirklich nichts darüber. Wenn ich also sage, daß die Wände für mich nicht existieren, so heißt das, daß es keine direkte Erfahrung dieser Wand da drüben gibt. Das heißt aber nicht, daß ich gegen sie anrennen würde, wenn ich in diese Richtung gehe. Es ist wie das fließende Wasser. Wenn da ein Hindernis auftaucht, gibt es eine Aktion - entweder es wird überschwemmt, oder das Wasser fließt darumherum. Und diese Aktion ist nur dann möglich, wenn das sich im Hintergrund befindliche Wissen zur Anwendung kommt - dann gibt es hier eine Aktion. Aber hier und jetzt, wenn ich anfange in diese Richtung zu gehen, geht es nicht darum, ob da drüben ein Hindernis oder sonst irgend etwas ist.
Sehen Sie, wenn ich das Wort 'Materie' gebrauche, tue ich das nicht in dem Sinne, in dem die Wissenschaftler es benutzen. (Er berührt den Teppich.) Da gibt es einen Kontakt. Ein schlauer Mensch fragt: "Woher wissen Sie, daß da ein Kontakt besteht?" Dieser Kontakt ist Bewußtsein, so kann man sagen. Aber im selben Moment, in dem Sie sagen, er sei hart, haben Sie ihm Solidität gegeben; ansonsten - ist er hart oder weich? Kann man etwas direkt erfahren? Ich weiß es nicht, die Sprache ist ein höchst irreführendes Ding. Wenn ich das Wort 'direkt' benütze, denken Sie, es gäbe eine direkte Art und Weise, etwas zu erfahren. Wenn ich das Wort 'direkt' benütze, meine ich, daß Sie überhaupt nichts erfahren können. Wenn ich von 'Vistavision' spreche, so heißt das nicht, daß ich diese Vistavision erleben könnte; was ich sage, ist, daß man das nicht kann. Versuchen Sie nicht, das, worüber ich spreche, zu erfahren. Ich kann es nicht erfahren, Sie können es nicht erfahren, niemand kann es erfahren. Warum also darüber sprechen? Weil Sie hier sind und ich hier bin.
F: Wenn Sie nicht gerade einen Zug erreichen müssen oder so etwas, leben Sie dann im gegenwärtigen Augenblick?
UG: Was Sie als 'Leben von Augenblick zu Augenblick' bezeichnen ist sehr irreführend. Ein solches Leben kann von Ihnen niemals begriffen werden - es kann niemals Teil Ihrer bewußten Existenz werden und noch viel weniger Ihres bewußten Denkens.
Sehen Sie, in der Struktur des 'Du' gibt es keine Gegenwart; alles, was da ist, ist die Vergangenheit, die versucht, sich in die Zukunft zu projizieren. Sie mögen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nachdenken, aber es gibt keine Zukunft, es gibt keine Gegenwart; es gibt nur die Vergangenheit. Ihre Zukunft ist nur eine Projektion der Vergangenheit. Wenn es eine Gegenwart gibt, so kann sie von Ihnen niemals erlebt werden, denn Sie erfahren nur Ihr Wissen über die Gegenwart, und dieses Wissen ist Vergangenheit. Welchen Sinn sollte es also haben, zu versuchen, diesen Moment, den Sie das 'Jetzt' nennen, zu erfahren? Das Jetzt kann von Ihnen niemals erlebt werden. Was immer Sie erfahren, ist nicht das Jetzt. Das Jetzt ist also ein Ding, das niemals Teil Ihrer bewußten Existenz werden kann und dem Sie keinen Ausdruck verleihen können. Das Jetzt existiert, soweit es Sie betrifft, nicht, außer als eine Vorstellung. Ich spreche nicht über das Jetzt.
Wie können Sie erwarten, etwas zu erfahren, das außerhalb des Erfahrbaren liegt, wenn Sie nicht einmal ein so simples Ding wie z.B. diese Bank hier begreifen können, etwas, das Sie Ihr ganzes Leben lang gebraucht und benutzt haben? Sie können nicht einmal etwas so Einfaches wie diese Bank erleben. Was Sie erfahren, ist nur das Wissen, das Sie darüber besitzen, und dieses Wissen ist schon immer von einer Quelle außerhalb Ihrer selbst gekommen - es ist das Wissen eines anderen; es ist nicht Ihres. Einer wird kommen und es wegnehmen: ein überzeugender Mensch kommt des Wegs und sagt: "Das ist nicht die richtige Art zu erfahren, es gibt eine andere Möglichkeit", und immer so weiter.
So wie ich es sehe, gibt es keine Vorbereitung hierauf, kein Sadhana, keine Meditation. Sie können vierzig Jahre lang auf dem Kopf stehen, nichts wird geschehen; wahrscheinlich werden Sie das erleben, was Sie erleben können, was immer Sie wollen. Das Denken ist etwas Außergewöhnliches, man kann damit etwas schaffen, einen soliden Gegenstand; Sie können ihn da draußen hinstellen, ihn berühren, fühlen, erleben und mit ihm sprechen - Sie denken, das sei etwas Außergewöhnliches. Das sind alles Erfahrungen, die Sie machen müssen.
Manchmal ist da eine Erfahrung, die zu außergewöhnlich ist, als daß sie Ihnen oder einem anderen schon einmal hätte zuteil werden können. Aber sie ist nicht aus dem Nichts gekommen; sie ist Teil des Wissens des Bewußtseins. Alles, was die Menschen vor Ihnen erlebt haben, ist Teil dieses Bewußtseins - es ist alles da - und all das ist eine Verunreinigung. Alles, was Sie erfahren, wie profund es auch sein mag, ist eine Kontamination; es hat nichts mit diesem Zustand zu tun; irgend jemand hat es schon zuvor einmal erlebt. Alles, was Sie erfahren, ist ein wertloses Ding, es ist nicht 'das'.
Was immer erfahren wird, ist vom Denken hervorgerufen. Ohne Wissen kann man nichts erfahren. Und das Erfahren verstärkt das Wissen. Es ist ein Teufelskreis: die Schlange, die sich in den Schwanz beißt.
Bewußtseinserweiterung bedeutet gar nichts, und Sie weisen ihr so große Bedeutung zu. Drogen können das viel besser als all diese Meditationen und Yoga. Ich kenne viele Leute, die LSD genommen haben. (Bitte mißverstehen Sie mich nicht, ich befürworte das nicht.) Sie sind in der Gegenwart eines riesigen Berges. Plötzlich erweitert sich das Bewußtseins auf die Größe dieses Berges, im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt eine plötzliche Explosion des Bewußtseins, und diese plötzliche Erweiterung setzt riesige Mengen von Energie in Ihrem Innern frei. Welche Wirkung hat das auf den physischen Körper? Der physische Körper reagiert auf das, was Sie eine plötzliche Bewußtseinsveränderung nennen. Und die einzige Art, wie er das tun kann, ist, indem er plötzlich Atem holt; plötzlich schöpfen Sie tief Atem, und der ganze Atemrhythmus ändert sich - daher stammt der Ausdruck vom 'atemberaubenden Anblick'. Ich war in den Elephanta Höhlen (bei Bombay). Dort haben sie dieses riesige Trimurti (religiöse Skulptur), und ich stand davor. Plötzlich gab es da eine Erweiterung meines Bewußtseins (oder wie immer Sie das nennen) auf die Größe dieser Skulptur. Man kann solche Dinge immerzu erleben. Solche Erlebnisse bedeuten gar nichts.
Keines dieser Erlebnisse hat irgendeine Bedeutung, gleich ob Sie auf 'dieser Seite' oder 'jener Seite' stehen. Tatsächlich gibt es natürlich weder die eine noch die andere Seite, denn es gibt dort keine Demarkationslinie. Langsam dämmert einem die Erkenntnis, daß all diese Erfahrungen, so tiefgehend sie auch sein mögen, überhaupt nichts bedeuten; das ist alles. Sie mögen sich in einem Zustand der Seligkeit befinden - auch nach der 'Kalamität' gibt es Zustände der Seligkeit und der Ekstase, ein plötzliches Dahinschmelzen von allem - aber das hat nichts zu bedeuten. Sie erleben, ich erlebe - was ist der Unterschied? In Indien erleben fromme Menschen ein kleines Ding, das ein 'seliger Zustand' genannt wird oder auch 'das Fehlen des Körperbewußtsteins', und sie denken, etwas Wunderbares sei geschehen. All diese Dinge sind Begrenzungen. Sie begrenzen das Bewußtsein. Sie helfen in keiner Weise; für Sie sind sie aber von großem Interesse, denn der Mensch lebt innerhalb dieses begrenzten Bewußtseins.
Sie gehen von der Annahme aus, LSD sei etwas Schreckliches. Ich frage mich, warum. Ich setze mich nicht dafür ein und empfehle es - Drogen schaffen nur Erlebnisse, und das, wovon ich spreche, ist kein Erlebnis. Aber all die jungen Menschen im Westen haben es ausprobiert - Jungen und Mädchen, jeder - daher rührt ihr Interesse an all diesen Dingen, dem indischen Zeug, und nicht, weil sie mit ihrem Wohlstand oder ihren Werten unzufrieden wären. Sie haben LSD probiert, und es hat ihnen eine Art von Gefühl gegeben, daß noch mehr in diesem Bewußtsein stecken müsse. Aber es sind nur gewöhnliche Erfahrungen.
All diese religiösen Erfahrungen sind nicht verschieden von denen, die Menschen haben, wenn sie Drogen nehmen. Ich weiß von einem Jungen, der niemals etwas von tibetanischer Literatur gehört hat, aber als er auf einem 'Trip' war (wie sie es nennen), hat er alle möglichen Mandalas (mystische Bilder) erlebt. Er begann darüber zu sprechen, und er traf einen Tibeter, der sie ihm erklärt hat. Wie ist so etwas möglich? Sie müssen also nicht in Tibet sein; egal, wo Sie sind, sehen Sie, ist es Teil des menschlichen Bewußtsein. Sogar Donald Duck ist Teil des menschlichen Bewußtseins geworden.
Es gibt für Sie nichts zu erfahren, das Sie Ihr eigen nennen könnten. Was immer Sie erfahren, wie tiefgehend Ihre Erfahrung auch sein mag, ist das Resultat des Wissens, das Teil Ihres Bewußtseins ist. Irgend jemand muß irgendwann in der Geschichte diese Seligkeit (nennen Sie es 'Ekstase' oder bei sonst einem Namen, der Ihnen gefällt) erfahren haben, und diese Erfahrung ist Teil Ihres Bewußtseins. Sie müssen an einen Punkt kommen, an dem es überhaupt keine neue Erfahrung mehr gibt: irgend jemand hat sie zuvor gehabt, also ist es nicht Ihre.
Der Heilige, oder der Mystiker, ist ein Mensch, der aus zweiter Hand lebt, denn er erlebt das, wovon die Weisen schon gesprochen haben; also befindet er sich immer noch auf dem Gebiet der Dualität, wohingegen die Weisen oder Seher im ungeteilten Bewußtseinszustand leben. Die mystische Erfahrung ist deshalb außergewöhnlich, weil sie keine intellektuelle Erfahrung ist; sie hilft Ihnen, die Dinge anders zu sehen, anders zu fühlen, sie anders zu erleben und die Aussagen der Weisen und Seher für andere zu interpretieren.
Die Welt sollte eher den Heiligen als den Weisen gegenüber dankbar sein. Die Weisen wären schon längst vergessen, hätte es die Heiligen nicht gegeben. Die Weisen berufen sich auf keinerlei Autorität, was sie sagen, ist die Autorität. Die Weisen sprachen davon (dem 'natürlichen Zustand'), und die Heiligen (einige von ihnen) erlebten diese Dinge, und er wurde Teil ihrer Erfahrung. Sie suchten die Menschen durch die Musik und anderes an diesen Dingen teilhaben zu lassen. Aber das ist keine Erfahrung, die sich mit jemandem teilen läßt; es ist überhaupt keine Erfahrung. Die Heiligen versuchen, sich Ihnen mitzuteilen, also bewegen sie sich immer im Felde der Dualität, dahingegen ist der Weise oder der Seher, oder wie immer Sie ihn nennen wollen, in einem Zustand des ungeteilten Bewußtseins. Er weiß nicht, daß er ein freier Mann ist, also stellt sich ihm auch nicht die Frage, ob er andere befreien sollte. Er ist einfach da, spricht darüber, und dann geht er weg. Gaudapada hatte keine Schüler - er lehnte es ab, irgend jemanden zu belehren. Ramana Maharshi war unser Zeitgenosse, also wissen wir wenigstens etwas über ihn. Er hat nicht gelehrt, und er hat niemanden initiiert. Solch ein Mann verläßt sich nicht auf die Autorität eines anderen. Große Lehrer gebrauchen keine Autorität, und sie interpretieren die Heiligen nicht. Die Heiligen helfen Ihnen, die Dinge anders zu sehen und zu interpretieren.
Sie können nicht durch irgendwelche Sadhana (spirituelle Praktiken) zu einem Weisen werden. Es liegt nicht in Ihren Händen. Ein Weiser kann keinen Schüler haben, ein Weiser kann keine Anhänger haben, denn das ist keine Erfahrung, die sich mitteilen läßt. (Selbst eine gewöhnliche Erfahrung kann man nicht mit anderen teilen. Können Sie jemandem erzählen, der nie Sex gehabt hat, wie sich die sexuelle Erfahrung anfühlt?) Die Weisen und Seher sind ursprünglich und einmalig, denn sie haben sich von der gesamten Vergangenheit befreit - selbst die mystische Erfahrung ist Teil der Vergangenheit. Nicht, daß es für solch einen Menschen keine Vergangenheit mehr gäbe, aber sie besitzt keinen emotionalen Gehalt - sie ist nicht ständig wirksam und beeinflußt dadurch seine Handlungen.
'Das' ist das Ultimative: Man muß sich ihm völlig ergeben. Da gibt es keinen Jnana Marga (Pfad der Weisheit), es gibt überhaupt keinen Marga (Pfad). Es ist die totale Kapitulation - man wirft das Handtuch - und was daraus folgt ist Jnana (Weisheit). Es ist kein Aufgeben im üblichen Sinne, denn es bedeutet, daß es nichts gibt, was man tun könnte. Es ist die totale Kapitulation, die totale Hilflosigkeit. Man kann es nicht durch irgendwelche Bemühung oder Willensanstrengung zustande bringen. Wenn Sie sich einer Sache ergeben wollen, dann tun Sie das nur, um etwas dafür zu bekommen. Daher benutze ich die Worte 'Zustand der totalen Kapitulation'. Es ist ein Zustand des Sichüberlassens, in dem jegliche Bestrebungen aufhören müssen, wo jede Bewegung, die darauf gerichtet ist, etwas zu erhalten, aufhört. Alles Wollen, dieses wollen oder jenes wollen, fehlt vollkommen.
Aber vor allem gibt es da keinen Hunger. Ein hungriger Mensch wird alles tun, um seinen Hunger zu stillen, nur um dann zu entdecken, daß es nichts gibt, ihn zufriedenzustellen. Selbst die Hoffnung darauf muß verschwinden, daß eines Tages irgendein Wunder geschehen und 'es' sich von irgendwoher auf einen herabsenken wird. Wenn man nichts tun kann, um den Hunger zu stillen, dann wird etwas geschehen. Alle, denen dies geschehen ist, haben wirklich hart gearbeitet, sie sind ganz unten gelandet und haben alles eingesetzt. Leicht kommt es nicht. Es wird einem nicht von jemandem auf einem goldenen Tablett überreicht.
Es ist eine ganz einfache Sache - so einfach, daß es die komplexe Struktur nicht in Ruhe lassen kann. Aber gleichzeitig frage ich: "Gibt es etwas, das Sie tun können?" Niemand kann das heftige Verlangen danach in Ihnen hervorrufen. Ich gebe immer das Beispiel vom Reisstroh: wenn es einmal angezündet wurde, brennt es immer weiter und weiter, bis das ganze Ding zu Asche verbrannt ist. 'Es' ist etwas, das sich nicht künstlich erschaffen läßt. Wahrscheinlich werden Sie von irgendeinem Tatmenschen oder Hypnotiseur inspiriert oder hypnotisiert werden - es gibt so viele davon.
Hier gibt es so etwas wie Erfahrung nicht. Sie scheinen zu wissen, Sie stellen sich vor. Die Vorstellung muß aufhören. Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. Die Abwesenheit der Vorstellungskraft, das Nichtvorhandensein des Willens, die Abwesenheit von Anstrengung und jedweder Bewegung in jegliche Richtung, auf jedem Niveau, jeder Dimension - das ist es! Es ist ein Ding, das überhaupt nicht erfahren werden kann - es ist keine Erfahrung. Sie sind daran interessiert, Wonne, Glückseligkeit, Liebe, der Himmel weiß was, zu erleben, aber das sind wertlose Dinge. Wenn ich Seligkeit erlebe - ist das Seligkeit? Es wurde von dem Wissen geschaffen, das ich besitze. Es ist dieses Wissen. Vom Wissen frei zu werden, ist keine leichte Sache. Sie sind dieses Wissen - nicht nur das Wissen, das Sie in diesem Leben erworben haben, sondern das Wissen von vielen Millionen Jahren, die Erfahrung von jedermann. Sehen Sie, die Menschen haben bestimmte Erfahrungen, und darauf bauen sie eine enorme Superstruktur auf.
F: Zuerst sagen Sie, es sei eine einfache Sache, und dann sagen Sie, es sei schwierig.
UG: Nein, sehen Sie, das Ding ist so einfach, daß es die komplexe Struktur nicht in Ruhe lassen will.
Ich kann die Artikel, die über mich geschrieben werden, nicht leiden. Sie versuchen, mich als einen religiösen Mann darzustellen, der ich nicht bin. Es gelingt Ihnen nicht, das Wichtigste, das, worauf ich besonderen Wert lege, zu begreifen. Diese Artikel geben nichts von dem wieder, das ich auszudrücken versuche. In dem, was ich sage, gibt es keinen religiösen Gehalt und überhaupt keine mystischen Nebenbedeutungen. Der Mensch muß von den Rettern der Menschheit gerettet werden! Die religiösen Menschen - sie haben sich selbst etwas vorgemacht und den Rest der Menschheit zum Narren gehalten. Werft sie hinaus! Das ist der eigentliche Mut, und nicht der, den sie praktizieren.
Wozu sollte es gut sein 'Abhayam vai Brahman' zu rezitieren? ('Die letzte Wirklichkeit ist Furchtlosigkeit') Furchtlosigkeit ist nicht Freiheit von allen Phobien. Die Phobien sind für das Überleben des Organismus vonnöten. Sie müssen die Höhenangst und Angst vor der Tiefe empfinden - wenn Sie es nicht täten, bestünde die Gefahr, daß Sie fallen. Aber Sie sollten nicht einem Mann den Mut lehren, auf dem Schlachtfeld zu kämpfen. Warum wollen Sie ihm Mut lehren? Um andere zu töten und sich selbst töten zu lassen? - aber so ist Ihre Kultur. Den Atlantik auf einem Ballon oder den Pazifik auf einem Floß zu überqueren - das kann jeder - dazu gehört kein Mut. Furchtlosigkeit ist etwas anderes als so etwas Törichtes.
Mut bedeutet, all das beiseite zu schieben, was die Menschen vor Ihnen erfahren und gefühlt haben. Sie sind der einzige, und Sie sind größer als all diese Dinge. Alles ist zu Ende, die ganze Tradition, wie geheiligt sie auch sein mag, ist beendet - nur dann können Sie sich selbst sein - das ist Individualität. Zum erstenmal werden Sie zu einem Individuum. Solange Sie von jemandem, einer Autorität, abhängen, sind Sie kein Individuum. Die individuelle Einzigartigkeit kann sich nicht zum Ausdruck bringen, solange eine Abhängigkeit besteht. Sie brauchen sich auf keine Autorität zu verlassen, 'es' besitzt seine eigene Autorität. Sie werden niemals etwas interpretieren, Sie werden niemals auf eine Autorität angewiesen sein, und doch werden Sie sich niemals als 'einzigartig' bezeichnen.
Das Problem liegt nun darin, daß, selbst wenn eine solche Person nicht redet, sie doch einfach durch ihre Gegenwart für andere zum Vorbild wird. Die Tatsache, daß hier von Morgens bis Abends jemand sitzt - was kann ich dagegen tun? Manchmal fallen sie in eine Trance; sie sagen: "Wie können Sie es verleugnen, daß mir etwas geschieht?" Ich sage: "Tun Sie, was Sie wollen." Wie kann ich Sie davon überzeugen, daß ich nicht mehr habe als Sie auch? Die Ursache Ihres Elends liegt darin, daß Sie von jemandem etwas haben wollen. Das Ende der Illusion ist auch Ihr Ende. Also können Sie nicht ohne Illusion sein; Sie können nur die eine Illusion durch eine andere ersetzten.
Es ist sehr schwierig, Ihnen die Absurdität dieses ganzen Sadhana verständlich zu machen. (Ich blockiere sozusagen jede Fluchtmöglichkeit. Sogar dieses Schlupfloch muß versperrt werden, um Sie in eine Ecke zu drängen. Sie müssen sozusagen zu Tode gewürgt werden.) Nur ein wirklicher Lehrer kann das herausfinden und es Ihnen sagen; niemand anderer. (Nicht diese Menschen, die die Texte und Puranas interpretieren - mit all dem besteht überhaupt kein Zusammenhang.) Nur ein solcher Mann kann sprechen. Und solch ein Mann wird niemals irgendein Sadhana unterstützen, denn er weiß, falls so etwas irgend jemandem geschehen sollte, dann wird dieser Mensch die Hilfe von niemandem benötigen; es wird trotz alledem geschehen.
Was immer Sie tun, es blockiert, daß es geschehen kann. Natürlich ist es irreführend, es so zu formulieren, denn es gibt nichts, was geschieht. Sie erkennen nicht, daß alles, was Sie tun, eine ichbezogene Handlung ist. Was immer Sie auch in irgendeine Richtung unternehmen wollen, verstärkt oder verzerrt nur das Ganze. Das ganze Sadhana ist eine egozentrische Tätigkeit - es ist sehr schwer, das zu verstehen. Das Instrument, das Sie benutzen, ist auf dem Gebiet von Ursache und Wirkung entstanden - es kann sich nichts vorstellen, das ohne Ursache und Wirkung geschieht - daher ist es also nicht das richtige Mittel, um das zu begreifen; und ein anderes gibt es nicht.
'Das' ist akausal. Es ist ein Quantensprung. Es springt von hier nach da - Sie können diese Dinge nicht verbinden. Sie stellen mich auf die andere Seite des Flusses. Sie wollen mit einem Boot übersetzen. Das Boot leckt, und Sie werden sinken. Es gibt kein anderes Ufer, und da ist kein Fluß, um ihn zu überqueren, kein Boot - es ist sehr schwer für Sie, das zu verstehen. Sie haben eine Vorstellung geschaffen und verfrachten sie auf die andere Seite. Ich sage: "Du meine Güte, nein, ich bin auf derselben Seite, da ist kein Ufer, kein Fluß, den man überqueren könnte, und kein Bootsführer ist nötig.!"
Niemand kann Sie führen. Es gibt keine Leitlinien, denn er selbst weiß es nicht. Wenn ich es wüßte, würde ich Sie anleiten. Ein solcher Mann kann Sie nirgendwohin führen oder leiten. Ich bin nicht gegen Gurus, überhaupt nicht. Er weiß - und das sagen sogar Ihre Bücher - daß es nicht der Guru ist, der Ihnen helfen kann. Das bedeutet nicht irgend etwas Geheimnisvolles. In einer Hymne heißt es: "Wer immer erwählt wird, dem wird es geschehen." Das heißt aber nicht, daß es da irgendeine Macht außerhalb von Ihnen gäbe. Das Potential hierzu ist schon in Ihnen vorhanden - es hat die Fähigkeit, zu explodieren. Wenn es durch irgendeine Chance, durch irgendeinen glücklichen Zufall dazu kommt, daß das Denken bei sich selbst bleibt, ohne in zwei Teile gespalten zu werden, dann muß etwas passieren. Es ist wie eine Nuklearexplosion, nicht eine, sondern Trillionen. Wenn es explodiert, dann vernichtet es alles, was da ist. Es ist eine Kettenreaktion; jede Zelle, eine nach der andern, ist daran beteiligt.
Es ist nicht so leicht - man kann es nicht durch Logik oder Kraft oder die Lehren von irgend jemand, oder indem man Mantras (mystische Silben) rezitiert, zustande bringen. Aber die Möglichkeit, daß so etwas geschieht, ist in jedem Menschen vorhanden, denn das ist seine Natur. Das ist der Grund dafür, warum es einem in einer Milliarde geschieht. Wenn Sie fragen, warum es dem einen Individuum und nicht Ihnen geschieht, dann heißt das, daß Sie keine Chance haben. Es hat keine Ursache - es ist akausal; ich kann Ihnen nicht sagen oder vermitteln, wie das passiert ist. Es gibt kein 'Wie' - das ist der Grund dafür, warum ich sage, es hätte keine Ursache und könnte nicht reproduziert werden. Kein Lehrer hat einen anderen Lehrer hervorgebracht, der so war wie er selbst. Das ist nicht nur meine Meinung; der Buddha hat keinen anderen Buddha hinterlassen; kein Lehrer konnte einen anderen Lehrer, der wie er selbst war, heranziehen. Er mag 'Anhänger' haben, aber er hat etwas, das nicht reproduziert werden kann, denn die Natur benutzt kein Modelle, um etwas zu erzeugen.
Alles, was Sie tun, um sich selbst zu reinigen, hat überhaupt keine Bedeutung, denn all dieses Purifikationsgerede wird Ihnen nicht im geringsten helfen. Vielleicht wird es Sie zu einem Heiligen machen, aber an das andere können Sie nicht rühren. Diese Art von Ereignis kann nur in einer degenerierten Spezies stattfinden (so sagen die Biologen). Es wird etwas Einzigartiges hervorbringen, das vorher noch nicht entstanden ist - es ist eine biologische Anomalie. Also hat Ihre ganze Moralität und Ihr ganzes Predigen über dies, das oder jenes überhaupt keinen Sinn. Daher haben die upanishadischen Seher niemals von Moral oder Sadhana gesprochen; die Heiligen dagegen haben besonderen Wert auf sie gelegt, denn sie sind zweitklassige Imitatoren. 'Das', wenn es denn geschehen soll, wird trotz dieser Dinge geschehen. Und ich bleibe dabei, daß es genetisch fixiert ist: nur einem Menschen, bei dem das der Fall ist, wird so etwas geschehen.
F: Sie meinen also, daß es unnötig ist, es anzustreben.
UG: Das Verlangen ist Teil Ihres Bewußtseins. Das muß aufhören; aber es gibt nichts, was Sie tun könnte, um es zu stoppen. In anderen Worten, Sie können gar nichts tun, als Sadhana zu üben; Sie sind zum Scheitern verurteilt. Selbst wenn Sie das Sadhana sein lassen, so entsteht doch ein Streit in Ihnen, und Sie werden es durch eine neue Art Sadhana ersetze